Berlin : Schau an – die Rütli-Raver

Läuft die Züricher Street Parade der Love Parade den Rang ab?

Holger Wild

Fast eine Million Gäste, Tanzen in der Innenstadt, tausende freiwillige Helfer – und kein Alkoholverkauf an der Strecke. Die vormals kleine Schwester der Love Parade, die Street Parade in Zürich, scheint der Berliner Massenparty so langsam den Rang abzulaufen. Die Veranstalter freuten sich am Sonnabend über 900 000 Besucher – am 12. Juli im Tiergarten waren es rund 750 000. Dabei wohnen in Zürich und dem umliegenden Kanton nur 1,2 Millionen Menschen.

Doch gehe es ja gar nicht um die Größe, wiegelt Stefan Epli ab, der mit einigen Partnern die Züricher Techno-Party nun schon im zwölften Jahr organisiert. „Ist doch toll, wenn es viele schöne, große, friedliche Paraden gibt“, sagt er. Und freut sich doch hörbar, wenn er aufzählt, was die Street Parade seiner Meinung attraktiver macht als die Love Parade – und das schon im dritten Jahr hintereinander: Das liege nämlich nicht nur an der Kulisse mit den Bergen am Horizont und dem See direkt neben der Paradestrecke. Oder daran, dass das Fest quasi in der Innenstadt stattfindet und danach fast alle Clubs zu Fuß zu erreichen sind.

Die Street Parade zeichne sich vor allem durch größere Authentizität und Nähe zur Szene aus. „Bei uns darf auf den Wagen zum Beispiel keine Werbung sein“, berichtet Epli. „Einen Camel-Wagen oder einen, der von ,Big Brother‘ gesponsert ist, gibt es in Zürich nicht. Und da wir keine Startgebühr erheben, brauchen die Clubs sowas auch nicht.“ Dennoch hat die Zürcher Parade Großsponsoren, die etwa 800 000 Euro aufbringen. Am Partytag selbst arbeiten 3000 Helfer umsonst – „deshalb haben wir viel weniger Kosten als die Berliner“, sagt Epli. Und weil schon seit Jahren auf der Street Parade kein Alkohol verkauft wird, seien die Leute dort auch viel friedlicher. Doch die Berliner halten die beiden Paraden nicht für vergleichbar. „Das ist doch mehr so eine Volksfestveranstaltung“, sagt Fabian Lenz, Geschäftsführer der Love Parade GmbH. Da gingen eben sehr viele Züricher hin und sähen zu. Während man in Berlin ja eigens in den Tiergarten fahren müsse, sich dort also überwiegend Teilnehmer versammelten. Die Veranstaltungskosten in Berlin seien viel höher, seit die Parade keine Demo mehr sei. Und der Alkohol – nun, was solle man machen. Ein Hauptsponsor sei eben eine Biermarke.

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