Berlin : Schau

Lothar Heinke

staunt mal wieder über die Neugier in dieser Stadt Am Anfang dachten wir: Na ja, vielleicht zieht die „Location“ die Leute an, mal gucken, wie sich der Palast der Republik als Siechbett macht – aber dass ein Trupp alt-chinesischer Krieger so verdammt prickeln würde, dass man die Schau sogar verlängern musste, war dann doch eine Überraschung. 300000 Besucher haben die stummen Gestalten bisher beehrt, täglich kommen rund 1500 und staunen, was sich der erste Kaiser von China vor 2200 Jahren da so an Personal im öffentlichen Dienst geleistet und auch noch verbuddelt hat. Sonntag ist die letzte Gelegenheit zum Blick auf die Grabbeigaben für Qin Shi Huang Di, dann zieht die Truppe auf tönernen Füßen weiter nach Nürnberg. Und was machen wir nun ohne die Chinesen? Schicken die Leute schräg gegenüber ins Sea-Life im Aqua-Dom, da gibt’s lebende Fischlein. Zu MoMA gehen sie sowieso. Vielleicht denken wir uns was Neues aus? Kultur im „Palast“ geht immer. Oder eine Schau aller Fahrräder, die jetzt noch über Frankreichs Straßen flitzen. Haben Sie eine bessere Idee? Der Erfolg ist nahezu garantiert – beim neugierigsten Stadtvolk in Deutschland.

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