Schauplatz BERLIN (Rätsel 7) : Der Baum, an dem man sich trifft

Fast an jeder Ecke in Berlin hängt eine Gedenktafel, 2820 sind es insgesamt. Der Tagesspiegel bietet jede Woche ein Gedenktafel-Rätsel. Sie, liebe Leserinnen und Leser, dürfen jeweils herausfinden, ob Sie den Ort, die Person beziehungsweise das Ereignis kennen. Rätseln Sie mit bei Folge 7!

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Ein ganz geheimer Anlaufpunkt kann das beeindruckende Gewächs mit viel Freifläche drumrum kaum gewesen sein. Fünfstellig war die Zahl der Protestierer, die in seinem Schatten eines Sonntags zusammenkamen, so stand es in der Zeitung. Es waren Arbeiter, Handwerker, viele Arbeitslose, die hier ihr politisches Programm formulierten. Eine Delegation legte der Staatsspitze Forderungen vor: Man verlangt die Versorgung von Arbeitsinvaliden, Wahlrechte, Truppenabbau, eine Kommission für Lohnverhandlungen, Bildung für alle. Die Frechheiten wurden abgeschmettert.

Aber die Massentreffen an dem Baum werden weitergehen – auch in späteren Jahrzehnten, als im Umkreis Wohnviertel gebaut werden. Später entstand hier ein Freizeitgelände; ein Sportclub, den viele Berliner heute noch gut leiden können, erlebte in diesem Areal seine ersten Höhen und Tiefen. All das hat der Baum unbeschadet überstanden. Doch in den 1960er Jahren muss er gefällt werden: weil abbrechende Zweige Spaziergänger gefährden. Aus seinen Verästelungen ist in einer Baumschule sein Nachfolger gezüchtet und am selben Ort eingewurzelt worden, umringt von einem Steinmäuerchen. Mittlerweile hat der neue Baum die Höhe der vierstöckigen Blocks gegenüber erreicht. Die Spezies war mal „Baum des Jahres“ und steht heute auf der Liste bedrohter Pflanzenarten.

Trotz Parkscheinautomat und patrouillierendem Ordnungsamt wirkt die einst am Rande gelegene Gegend wieder auf eigene Art verloren. Den Grünstreifen vor den Sportplätzen, in dem unser Baum samt Würdigungstafel sich befindet, reguliert ein Schilderwald, der Räder, Mopeds, Fußball untersagt. Im Hintergrund ragen Lichttürme eines Stadions in den Himmel. Aus Betonwannen, die für Flaschenmüll genutzt werden, wachsen Brennnesseln. Auf dem Rundbeet vermeldet ein graffitimarkierter Gedenkstein, was es mit dem Ort, dem Baum und den Kämpfen für Freiheit und Gerechtigkeit auf sich hat. Thomas Lackmann

Wie hieß der Baum? Wo finden Sie die Tafel? Auflösung mittwochs auf tagesspiegel.de oder nächsten Sonntag hier. - Auflösung Schauplatz 6 (18.11.): Das Freihaus des Kammertürken Friedrich Wilhelm Hassan (1672 - 1728), in dem er abgabenfrei neben dem Freihaus des Kollegen Friedrich Aly wohnen durfte, stand Schloßstraße 6 (Charlottenburg) und wurde von dem Bildhauer Christian Rauch als Sommerhaus genutzt. Im Nachfolgebau, an dem die Gedenktafel hängt, befindet sich eine Kirche der Adventisten-Gemeinde.

Was war das für ein Haus? Wo hängt die Tafel? Auflösung am Mittwoch auf www.tagesspiegel.de

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