Schauplatz BERLIN Wer?  Wo? Wann? – Das Tafelrätsel : Der geborene Berliner

Fast an jeder Ecke in Berlin hängt eine Gedenktafel, 2861 sind es insgesamt. Der Tagesspiegel bietet jede Woche ein Gedenktafel-Rätsel. Sie, liebe Leserinnen und Leser, dürfen jeweils herausfinden, ob Sie den Ort, die Person beziehungsweise das Ereignis kennen. Rätseln Sie mit bei Folge 21!

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Der Mann, „dem Berlin viel verdankt“, wird mit dieser Widmung auf einer Porzellantafel an jenem gelben Haus geehrt, in dem er vor 100 Jahren das Licht der Welt erblickte. An ganz anderer Stelle, in einem anderen Bezirk, zeigt eine Kupferplatte sein freundliches Profil. Ein Narr und eine Eule blicken vom Rand der Tafel auf ihn herab, die Schrift rühmt ihn als „unvergessene Stimme“ dieser Stadt. Der beschmierte Sockel der Tafel steht in einem Laubwäldchen, das auf den angehäuften Relikten einer zerstörerischen Epoche wächst. Von hier schaut man schön über Berlin hinweg und hört Vögel zwitschern. Aber nicht dieser künstliche Hügel selbst ist mit unserem Jubilar verbunden. Vielmehr wurde umgekehrt die Namensgebung des Ortes inspiriert durch sein populärstes Lebenswerk.

Als Teenager hatte er keine Lust gezeigt, in Vaters Uniform-Manufaktur einzutreten. Stattdessen spielt er Piano in Kabaretts, schreibt Lieder und Sketche. Schmeißt das Abitur. Gründet sein eigenes Brettl-Ensemble: „Die 17-Jährigen“. Im Jahr 1935 verhört ihn die Gestapo; später wird er sagen, gekämpft habe er weder für noch gegen Hitler. Zum Kriegsbeginn eingezogen, darf er Kasernen putzen statt zur Front zu gehen. Für einen auf Befehl komponierten Marsch kriegt er Sonderurlaub. Die Noten verbrennen dann – „glücklicherweise“, meint er – mitsamt seiner Wohnung. Als Truppenbetreuer unterhält er deutsche Soldaten in der besetzten UdSSR. Bei Kriegsende stellt er sich der US-Armee, kommt als Gefangener in eine französische Kleinstadt. Dort im Camp habe man sich aus Kisten und Fallschirmschnüren Kontrabass und Geigen gebastelt, heißt es in seinen Erinnerungen. Der Christliche Verein Junger Männer spendiert dazu Blasinstrumente. Die Selfmade-Jazzcombo tritt, in Zivilanzügen als Holländer verkleidet, für Partys auf: „Das wirkte sich in der Verpflegung großartig aus.“

Nachgeborene begegnen dem „geborenen Berliner“ (so nannte ihn Curth Flatow) heute vielleicht noch als pointiertem Drehbuchautor: anhand seiner Kinokomödien. Die Herzen der Zeitgenossen hatte er seinerzeit, nach seiner Heimkehr, mit Überlebenswitz gewonnen: als Rundfunksatiriker und Kleinkünstler der gebeutelten Teilstadt. „Glück muss man haben… Wir tragen heut’ unsre Haut zu Markt, doch wir dürfen uns ihrer noch wehren“, spottete er optimistisch. „Was die Parteien meckern, wird im Weltenraum verkleckern… Ich drück ein Auge zu, und mit dem andern kiek ick in den Mond.“

Wer war’s? Wo befinden sich die Tafeln? Auflösung am Mittwoch unter www.tagesspiegel.de

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