Berlin : "Schauplatz Museum": Ohne Glanz kein Gloria

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15. Oktober 1842: Eine Exkursion, auf der Suche nach archäologischen Schätzen in Ägypten unterwegs, hisst die Fahne mit dem preußischen Adler auf der Cheopspyramide. Die Wissenschaftler unter Leitung von Richard Lepsius feiern so den Geburtstag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., der Maler J.J. Frey hat die Szene auf einem Aquarellgemälde festgehalten. An das Fest auf der Pyramide erinnert eine Veranstaltung im Rahmen des Festivals "Schauplatz Museum", das am Donnerstag beginnt. Museumsdirektor Dietrich Wildung erzählt die Geschichte der preußischen Ägypten-Exkursionen im 19. Jahrhundert.

Die Berliner Museen haben das Festival dieses Jahr unter das Motto Preußen gestellt - Auftakt für das Preußenjahr 2001, in dem die Länder Berlin und Brandenburg mit vielen Veranstaltungen an die Krönung des ersten preußischen Königs vor 300 Jahren erinnern. Über zwanzig Museen haben einen Bezug ihrer Sammlungen zum Thema hergestellt. Lesungen, Theaterstücke, Vorträge und Filme sollen die Menschen anlocken. Im letzten Jahr kamen 6000 Besucher zu den Veranstaltungen. Die Museen stellen dabei nicht nur die Räume zur Verfügung. Die Veranstaltungen haben auch immer einen Bezug zu den Sammlungen. "Die Künste zusammenführen", nennt der Direktor des Museumspädagogischen Dienstes, Jochen Boberg, das Konzept.

Schauplatz Museum dauert bis zum 28. Januar und beginnt am Donnerstag mit einer Revue in der Staatsbibliothek, Titel "Ohne Glanz kein Gloria". Szenen aus der preußischen Geswchichte werden nachgestellt, mit Tanz, Kabarett und Gesang. "Wir wollen die Tugenden und Untugenden der preußischen Geschichte brechen und mit der Gegenwart konfrontieren", sagt Regisseur Christian Zacker. In fünf Szenen soll gezeigt werden, wie Preußen bis heute weiterexistiert.

Auch kleinere Berliner Museen beteiligen sich an dem Festival. Im Käthe-Kollwitz-Museum in Charlottenburg liest Jutta Wachowiak aus Tagebüchern, Briefen und Erinnerungen der aus Ostpreußen stammenden Malerin. Zum ersten Mal dabei ist das Museum für Kommunikation in der Leipziger Straße. Die szenische Lesung "Wilhelm, Phil, Victoria" thematisiert hier die Kommunikationsstörungen des letzen deutschen Kaisers: Wilhelm II. schließt in seinem Leben nur eine Freundschaft, mit Philipp zu Eulenburg. Als der aber als homosexuell denunziert wird, lässt der Kaiser ihn fallen. Die Geschichte der Freundschaft wird nacherzählt, mit Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Zeitungsartikeln, untermalt von Musik aus der Zeit um die Jahrhundertwende.

Für Kinder gibt es wieder eine eigene Veranstaltungsreihe: den Kinderschauplatz. Im Museum Europäischer Kulturen können sie zum Beispiel einen Vorläufer des Fernsehers kennen lernen - das Papiertheater, das Ende des 19. Jahrhunderts populär wurde. Bühne, Requisiten, Darsteller, alles aus Papier. Die Kinder bauen selber ein Papiertheater zusammen und inszenieren dann ein Stück: Rotkäppchen. Höhepunkt des Festivals ist wie immer die Lange Nacht der Museen. 73 Museen haben bis 2 Uhr geöffnet, diesmal am 27. Januar. Shuttlebusse verbinden die Häuser auf neun Routen. Bei der letzten langen Nacht war oft kein Durchkommen mehr: 50 000 Menschen kamen damals.

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