Berlin : Schauspieler, Romancier, Friedenskämpfer

Dietmar Schönherr ermöglicht Kindern in Nicaragua eine musische Ausbildung. Dafür sammelt er Geld in Berlin

Elisabeth Binder

„Zorn“, sagt Dietmar Schönherr lächelnd, sei schon als Kind die Hauptsünde gewesen, „die ich immer zuerst beichten musste“. Heute wirkt der streitbare Schauspieler und engagierte Friedenskämpfer glücklicherweise ganz entspannt, wie er in der Bar vom Savoy sitzt in leuchtend roter Strickjacke, kettenrauchend, Kaffee trinkend. Der 78-Jährige ist nach Berlin gekommen, um bei einem Empfang der Würth-Gruppe weitere Förderer zu finden für ein Herzensprojekt in Nicaragua. „Casa de los Tres Mundos“, heißt das Kulturzentrum, Haus der drei Welten, extra nicht Haus der Dritten Welt. Das hat sein Partner, der Dichter und Mönch Ernesto Cardenal, verhindert, weil es diskriminierend klinge.

Genau vor zehn Jahren hat er dafür den Würth-Preis der Jeunesses Musicales bekommen. Mit dem Preisgeld gründete er „Pan y Arte“, eine Kunstschule, die sehr armen Kindern eine musische Ausbildung ermöglicht. „Musik ist Brot für die Seele“, sagt Schönherr, den eine überstrenge Klavierlehrerin einst entmutigt hat, sein eigenes Spiel weiterzuentwickeln. In Erweiterung der traditionellen Entwicklungshilfe zählt er sowohl Brot als auch Kunst zu den wichtigsten Lebensmitteln des Menschen. Drei Absolventen der Kurse studieren inzwischen an deutschen Musikhochschulen. Einer ist der hochbegabte, junge Trompeter David Jarqin. Nein, er selbst bildet nicht aus, das machen alles Nicaraguaner, einmal im Jahr fährt er hin, organisiert, ermutigt, kümmert sich. In Europa bemüht er sich vor allem, Geld aufzutreiben für das Zentrum. (Spendenkonto 3636 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00).

Dietmar Schönherr ist ein lebhafter Mann, ausnahmsweise will er bei „Kerner“ auftreten, immer noch macht er drei Filme im Jahr, gerade hat er auch das Manuskript seines neuen Romans fertig gestellt, Arbeitstitel „Sternlose Nacht“, Handlung semibiografisch. Immer wieder klingelt das Handy. Einmal ist Vivi Bach dran, die Frau, mit der er seit über 40 Jahren verheiratet ist. Sie ruft von Ibiza aus an, wo das Paar heute lebt, und braucht einen Tipp, wie sie den kranken Hund am besten behandeln soll. „Sie ist immer noch eine sehr schöne Frau“, sagt Schönherr. „Aber sie ist nicht mehr so gern in der Öffentlichkeit.“ Seine Arbeit hat sie mitgetragen, obwohl es viele Anlässe gab, sich Sorgen zu machen, wenn er auf Munitionskisten schlief und in Feuergefechte geriet. Mit ihren bodenständigen Bemerkungen hat sie seinen überbordenen Idealismus zu erden versucht, was ihr offensichtlich nur in Grenzen gelang.

In den 60er und frühen 70er Jahren waren die Dänin und der Österreicher, der in Potsdam Abitur gemacht hat, ein Traumpaar des Fernsehens. Beim SFB hat alles angefangen mit der Serie „Besuch aus Paris“, es folgte der „Galaabend der Schallplatte“, der die Initialzündung für „Wünsch Dir was“ gab. Auch als Commander McLane im Raumschiff Orion feiert er große Erfolge. Später prägte sein Friedensengagement die Schlagzeilen, sein Buch „Nicaragua mi amor“ wurde in 15 Sprachen übersetzt, und er ist kein bisschen müde.

Was am wichtigsten für ihn war? „Es war gut, dass ich einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte, als mein Engagement dort anfing.“ Was ihn heute zornig machen kann? Die Wehleidigkeit vieler Menschen, wenn er die Nachrichten sieht: „Die Leute haben für den Staat zu sorgen, nicht umgekehrt.“

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