Schauspielschule : Zentralcampus gesucht

Für die Ernst-Busch-Schauspielschule wird schon lange ein neuer Standort gesucht. Es gab viele Bewerber und Absagen – und jetzt sind Werkstätten der Staatsoper in Mitte im Gespräch. Der Senat drängt auf eine Lösung mit landeseigenen Immobilien.

Werner Kurzlechner

BerlinDie Suche nach einem Standort für die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gleicht immer mehr einem Possenspiel. Die Schule ist derzeit in vier teilweise maroden Gebäuden über die Stadt verstreut, und Lehrer wie Schüler hoffen, bald einen zentralen Campus zu erhalten. Bereits seit November sollte ursprünglich darüber entschieden sein. „Der Regierende Bürgermeister hat versprochen, uns noch vor den Sommerferien eine Perspektive zu bieten“, sagt Rektor Wolfgang Engler. Doch die Schauspielschule erscheint mittlerweile vielen Beteiligten als Spielball in einem Gezerre von Investoren, die um einen Zuschlag buhlen – und in dem die Senatsverwaltungen für Wissenschaft und Finanzen seit Jahren vergeblich nach einer verfahrensrechtlich sauberen und bezahlbaren Lösung suchen.

Gerade erst in der vergangenen Woche machte der israelische Projektentwickler Albert Ben-David seinem Ärger Luft. Er wollte die Schauspielschule für zwölf Millionen Euro auf das frühere DDR-Funkhausgelände an der Nalepastraße holen – im Berliner Haushalt stehen dafür 30 Millionen Euro zur Verfügung. Doch Ben-David erhielt schon vor längerem eine Absage. Jetzt gehen andere ausgebremste Bewerber davon aus, dass der Senat insgeheim längst einen neuen Favoriten hat. Demnach könnten die Werkstätten der Staatsoper Unter den Linden an der Chausseestraße/Ecke Zinnowitzer Straße der neue Standort werden. Der Senat strebe dort nach einer günstigen Lösung, lauten die derzeitigen Vermutungen. Für die Schauspielschule hätte das einen gewaltigen Haken: Sie müsste den Umzug um weitere Jahre verschieben. Die Staatsoper benötigt den Standort noch bis 2010. Erst dann könne man die neuen Zentralwerkstätten für alle drei Berliner Opernhäuser am Franz-Mehring-Platz beziehen, heißt es bei der Opernstiftung.

Die federführende Senatswissenschaftsverwaltung hält sich dazu bedeckt. „Zurzeit werden mehrere landeseigene Immobilien geprüft“, sagt Sprecher Bernhard Kempf. „Konkrete Angaben lassen sich gegenwärtig aber noch nicht machen.“ Das verwundert kaum, weil sich das Land Berlin in einem laufenden Rechtsstreit befindet. Vor einigen Wochen hatte der Senat das Vergabeverfahren für den Zentralcampus ohne Ergebnis abgebrochen. Die drei bis zuletzt im Rennen befindlichen Angebote lagen jeweils mehrere Millionen über dem Budgetrahmen. Projektentwickler Hans Weil, der die Ernst-Busch-Schule in die Pankower Garbatyhöfe holen wollte, zog dagegen vor die Vergabekammer. Deren Entscheidung steht noch aus. Weils Hauptvorwurf lautet, das Land habe vom vorhandenen Budget nicht gedeckte Zusatzleistungen ausgeschrieben – etwa eine nicht zwingend benötigte millionenschwere Bühne. Zudem habe der Senat bereits während des laufenden Verfahrens begonnen, andere Standorte wie etwa die Opernwerkstätten zu prüfen, sagt Weil.

Dass das Projekt wie von Ben-David geplant für zwölf Millionen Euro zu stemmen gewesen wäre, können Außenstehende kaum glauben. Doch Ben-Davids Anwalt Bernhard Lill hält den Zweiflern entgegen: „Wir haben auf dem Gelände ja schon eine Mensa für 5000 Leute und einen großen Saal – alles Bestandsgebäude.“ Lill kritisiert seinerseits, die Ausschreibung sei gezielt auf die Garbatyhöfe zugeschnitten gewesen.

Ernst-Busch-Schulleiter Engler kann sich indes nicht für einen Campus an der Nalepastraße begeistern. Für die rund 200 Studenten sei die Standortsuche so dringlich, weil sie ständig zwischen ihrer Hochschule und acht Partnertheatern pendeln müssten. Damit sie nicht unnötig Zeit verlieren, sollen alle Theater vom neuen Campus aus in höchstens einer halben Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Deshalb flog Ben-Davids Köpenicker Projekt früh aus dem Vergabeverfahren. „Die Verkehrsanbindung wäre noch schlechter als etwa an unserem jetzigen Standort in Niederschöneweide“, sagt Rektor Engler. Er hofft, dass die Nalepastraße als Standort auch künftig außen vor bleibt – und dass die Suche dennoch bald ein Ende hat.

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