Schausteller am Pariser Platz : Geduld mit Darth Vader und dem NVA-Grenzer

Die Figuren vom Pariser Platz haben sich in die Umgebung des Brandenburger Tors verzogen. Das Ordnungsamt hat Mühe, die Schausteller zu kontrollieren.

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Verbotenes Motiv. Ein Berliner Bär posiert vor dem Brandenburger Tor für Touristen, die für ein Foto mit ihm bezahlen sollen.
Verbotenes Motiv. Ein Berliner Bär posiert vor dem Brandenburger Tor für Touristen, die für ein Foto mit ihm bezahlen sollen.Foto: dpa

Ronald Mikkeleitis ist natürlich nicht selber vor Ort, als Leiter des Außendienstes des Ordnungsamts Mitte muss er nicht Streife laufen am Brandenburger Tor. Dafür hat er seine Mitarbeiter, und die informieren ihn über alles Wesentliche und Interessante. Zu den interessanten Dingen stuft er auch die Nachricht ein, „dass es eine Menge Touristen gibt, die sagen, sie seien froh, dass das Brandenburger Tor wieder seine ursprüngliche Bedeutung hat“.

Mikkeleitis, davon darf man ausgehen, ist froh, dass sie das sagen die Touristen. Denn er muss operativ dafür sorgen, dass Mickey Mouse, NVA-Grenzer oder Darth Vader am Pariser Platz nicht die Hände aufhalten, wenn sie für ein Foto posieren. Die Schausteller müssen verschwinden, und zwar nicht bloß vom Pariser Platz, sondern auch aus der Umgebung, vor hinter und neben dem Brandenburger Tor.

Die Frage ist jetzt: Wie umfassend ist der Fahndungsdruck der Ordnungsamt-Mitarbeiter auf Mickey Mouse, Darth Vader oder auch NVA-Grenzer? Die lebenden Motive sind längst in die Umgebung abgezogen, zum Beispiel in den Simsonweg. Geld dürfen sie dort natürlich auch nicht verlangen, dort ändert sich bloß der Paragraph, gegen den sie verstoßen. Am Brandenburger Tor greift das Berliner Straßengesetz, unter den Bäumen des Flanierwegs das Grünanlagengesetz.

Und wie will das Ordnungsamt das Verbot in der Praxis erwirken? „Wir setzen unsere Streifen natürlich flexibel ein, „wenn wir merken, dass sich die Schausteller verlagern“, sagt Sabine Smentek (SPD), Jugend-Stadträtin von Mitte und Vertreterin von Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Die Strategie hat bloß einen Mangel: „Bei der Umsetzung des Verbots stoßen wir an Grenzen.“

Die Zahl drei legt die Grenzen fest. Drei Streifen hat Außendienst-Chef Mikkeleitis ständig im Bereich des Brandenburger Tors im Einsatz. Aber die können ja nicht überall sein. Also ist es für die Schausteller relativ einfach, den Kontrolleuren auszuweichen. Andererseits weiß Mikkeleitis natürlich, dass Darth Vader da stehen muss, wo Touristen entlang laufen. Also ist die Zahl der neuralgischen Plätze überschaubar.

Werden Mickey Mouse und Kollegen ertappt, werden sie erstmal nett angesprochen. „Wir wollen ja deeskalierend wirken“, sagt Stadträtin Smentek. Auch Mikkeleitis hat kein Interesse daran, vor den Augen vieler Touristen eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen einem Ordnungsamt-Mitarbeiter und einer grimmig dreinblickenden Monstergestalt wie Darth Vader ohne Not zu provozieren. Die Eskalationsstufe Anzeige und Platzverweis wird selten erreicht. Die Höchststrafe, höchst theoretische Drohung, beträgt 5000 Euro Geldbuße.

Aber mit mehr als zwei netten Ansprachen dürfen die Darsteller nicht rechnen, damit das auch mal klar ist. Die zweite ist Mikkeleitis „eigentlich schon eine zuviel“.

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