Berlin : Schaut auf diese…

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VON TAG ZU TAG

David Ensikat lockt Touristen

an die Warschauer Brücke

Ja, sicher, der Lehrter Bahnhof. Das ist schon eine tolle Grube. Riesengroß, überall buddeln sie, 1,5 Millionen Kubikmeter „Erdaushub“, wie man hört. Aber für eine Schaustelle ist das doch eine Nummer zu groß. Viel zu unübersichtlich, man kann sich auch gar nicht vorstellen, was das mal werden soll. Beim Potsdamer Platz war’s anders. Da gab es eine überschaubare tiefe Grube mit Touristenbrücke drüber. Unten konnte man die Bauarbeiter sehr hübsch herumwuseln sehen.

Die Grube ist lange zu, die Tourismusvermarkter boten in diesem Jahr gerade mal das Palastgerippe als Schaustelle an. „Schaut, was hier mal war“, hieß es da – nicht: „Schaut, was hier mal wird.“ Das kann’s nicht sein, hat sich da die Stadtentwicklungsverwaltung gesagt und im Juli die Bagger zur Warschauer Brücke geschickt. Dort durften sie um die Straßenbahngleise herum alles schön aufbuddeln, den Autofahrern nahm man eine Spur, damit sie im Stau einen ausgeruhten Blick aufs Baugeschehen werfen können. Das Baugeschehen galt ein paar Rissen im drei Jahre jungen Asphalt – man hätte rasch neu asphaltieren können. Aber eine Stelle kann ja nur Schaustelle sein, so lange sie Baustelle ist – also hat die Verwaltung den Bauarbeitern gesagt: Jungs, macht mal halblang, lasst das erstmal so aufgerissen, wie es ist; das erwarten die Leute so von unserer Stadt. Wir haben hier ja eine Stadt im Werden, nicht wahr.

Nun sollte man den nahe gelegenen U-Bahnhof für den Bahn-Verkehr sperren und rot anmalen. Mit ein paar Schautafeln zur Warschauer Straße (gestern, heute, morgen) gäbe der eine prima Info-Box ab.

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