Berlin : Schaut auf dieses Zelt!

Drei ehemalige Kultursenatoren sagten vor dem Tempodrom-Untersuchungsausschuss aus

Matthias Oloew

Der Bau und die Finanzierung des Tempodroms am Anhalter Bahnhof ist während der Bauphase nicht zum Thema im Senat oder Abgeordnetenhaus geworden. Das sagten übereinstimmend die drei ehemaligen Kultursenatoren Ulrich Roloff-Momin (parteilos, Senator von 1991 bis 1996), Peter Radunski (CDU, Senator von 1996 bis 1999) und Volker Hassemer (CDU, Kultursenator von 1983 bis 1989 und Stadtentwicklungssenator von 1991 bis 1996). Alle drei wurden am Montag vor dem Tempodrom- Untersuchungsausschuss gehört.

Der Neubau, bei dem die Kosten aus dem Ruder liefen, wurde quasi im Windschatten anderer Ereignisse auf den Weg gebracht. „Das Tempodrom stand für mich nicht oben auf der politischen Agenda“, sagte Radunski. Hassemer, der nach seinem Ausscheiden aus dem Senatsamt auch im Rat der Stiftung Tempodrom saß, gab zu Protokoll, er habe den Bauunternehmer Roland Specker ins Boot geholt, um das Projekt zu beaufsichtigen. Das Kulturzelt war am Ende mit 30 Millionen Euro doppelt so teuer wie geplant. Hassemer wartete mit seiner eigenen Rechnung auf: „Das Tempodrom hat der Stadt Millionen eingebracht.“ Der Ausschussvorsitzende Michael Braun (wie Hassemer von der CDU) machte große Augen und verwies auf die Baukostenexplosion, bis heute unbezahlte Handwerkerrechnungen und Millionenkredite, die das Land zu bedienen hat. Doch Hassemer blieb dabei: „Das Tempodrom ist ein bedeutender Faktor in der Stadt, weshalb viele Touristen nach Berlin kommen.“

Von Hassemer wollte der Ausschuss vor allem wissen, welche Funktion der Stiftungsrat hatte, in dem neben Hassemer auch der Kabarettist Arnulf Rating und Bernd Mehlitz, ehemaliger leitender Beamter der Kulturverwaltung, saßen. Hassemer offenbarte, dass er sich an Details des Bauverlaufs nicht erinnern konnte – wie etwa den kostspieligen Ausbau der Therme Liquidrom. Außerdem konnte er auf Nachfrage nicht die Summen nennen, um die sich der Bau verteuerte. Eine Kontrollfunktion des Stiftungsrats konnten Ausschussmitglieder nach den Aussagen Hassemers nicht erkennen.

Bei Radunski und Roloff-Momin gingen die Abgeordneten Hinweisen nach, wonach der Umzug des Zelts an den Anhalter Bahnhof 1999 nicht auf Drängen des Kanzleramts betrieben worden sei. Radunski konnte sich an einen konkret geäußerten Wunsch Helmut Kohls nicht erinnern: „Ich habe das aus der Zeitung erfahren.“ Der Umzug lieferte die Initialzündung für den Neubau des Tempodroms und die Umzugs-Entschädigung, die Bund und Land zahlten, eine der Säulen für die Finanzierung des Neubaus.

Am 16. August macht der Ausschuss weiter und hat für die Sitzung neben Ex-Senator Peter Strieder (SPD) auch Ex-CDU-Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner geladen.

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