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Scheeres unter Zugzwang : Das sind die Baustellen der Schulverwaltung

Am Montag beginnt für Schüler und Lehrer das zweite Schulhalbjahr: Die Zweifel am Kurs der Bildungsverwaltung mehren sich. Und eine Schule wird übertölpelt.

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Bildungssenatorin Sandra Scheeres, SPD, versucht sich am Computer - ihre Verwaltung ist damit erstmal gescheitert.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres, SPD, versucht sich am Computer - ihre Verwaltung ist damit erstmal gescheitert.Foto: dpa

Dieser Winter hatte es in sich für Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Anstatt Probleme zu lösen, bekam sie neue hinzu: Zuerst wurde bekannt, dass der Sanierungsstau der Berliner Schulen bei rund zwei Milliarden Euro liegt, dann hat das Statistische Bundesamt Scheeres dabei erwischt, dass sie den Kleinkindern die bundesweit größten Krippengruppen zumutet, und schließlich ergab die Auswertung des ersten Sekundarschuljahrgangs, dass trotz aller Reformbemühungen noch immer fast jeder zehnte Schüler ohne Abschluss die Schule verlässt. Neben diesen ebenso teuren wie zentralen bildungspolitischen Großbaustellen gibt es allerdings noch mehr Baustellen, um die sich Scheeres jetzt dringend kümmern muss.

Frisch saniert, seit 30 Jahren am Ort: Die Friedrich-List-Schule soll dennoch umziehen.
Frisch saniert, seit 30 Jahren am Ort: Die Friedrich-List-Schule soll dennoch umziehen.Foto. Susanne Vieth-Entus


Berufsschulen im Wartestand

Das hochgesteckte Ziel, Berufsschulen zu „Kompetenzzentren“ aufzuwerten, wurde still und heimlich nach jahrelangen Diskussionen zu den Akten gelegt. Zwei Arbeitsgruppen entwickeln gerade eine Strategie, wie man die Berufsschulen dennoch stärken könnte. Obwohl die Ergebnisse noch nicht feststehen, werden in Schöneberg vollendete Tatsachen geschaffen: Eines der wenigen echten Kompetenzzentren, die es schon gibt, nämlich die angesehene Friedrich-List-Schule für Wirtschaftssprachen in Schöneberg, muss ihren frisch sanierten und mit Sprachlaboren bestens ausgestatteten Vorzeigestandort verlassen und nach Lichtenberg umziehen, weil ihr Gebäude anderweitig gebraucht wird.

Von "Wort- und Rechtsbruch" ist die Rede

Die Schüler und Mitarbeiter sind fassungslos, weil sie nicht gehört wurden. Von „Wort- und Rechtsbruch“ ist die Rede. „Nach unserer Kenntnis gibt es keinen aktuell gültigen Schulentwicklungsplan, trotzdem werden hier anscheinend Fakten geschaffen“, kritisiert Stefan Platzek, der Vorsitzende der Vereinigung der Berufsbildenden Schulen (BBB). Und weiter: „Unbeschadet Ihres Rechts auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu dürfen, erwarten die Schulleitungen von der politischen Führung des Hauses – also von Ihnen, Frau Scheeres – zeitnah eine klare Perspektive für ihre zukünftigen Aufgaben und damit für die Entwicklung der berufsbildenden Schulen in Berlin“, heißt es in einem Brief an Scheeres, der dem Tagesspiegel vorliegt. In das Gebäude der List-Schule soll die Anna-Freud-Schule ziehen, deren Gebäude saniert werden muss. Allerdings ist das List-Gebäude zu klein, sodass ein zweiter Ausweichstandort gefunden werden muss.

Bauschäden in der Turnhalle der Sophie-Scholl-Schule
Sport ist Mord...Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Kai-Uwe Heinrich
06.01.2014 16:06Sport ist Mord...


Rahmenlehrpläne unter Verdacht

Erstmals soll es für alle Schulformen einheitliche Rahmenpläne für alle Fächer geben. Hiergegen regt sich doppelt Widerstand – politischer und fachlicher. Die CDU sieht bereits den „Schulfrieden“ in Gefahr: der einheitliche Plan sei ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass die SPD durch die Hintertür die „Einheitsschule“ erreichen wolle. Aber auch Fachleute sind skeptisch. Wie berichtet, ist besonders der Rahmenplan für Geschichte umstritten, weil ein „anekdotisches Wissen“ an die Stelle einer Gesamtschau trete. Mit Häme und Skepsis wird von den Kritikern die Onlinebefragung zu den Rahmenlehrplänen bedacht. Die Art der Fragen gehe am Kern vorbei, die Befragung sei daher nur ein Feigenblatt.

96 Ortsteile, 96 Bilder, 100 Prozent Berlin
Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...


Millionengrab IT-Verwaltung

Ungelöst ist seit Jahren das Problem des IT-Projekts eGovernment@school, mit dem die Verwaltungsabläufe modernisiert werden sollten. Über 37 Millionen Euro wurden schon ausgegeben, ohne dass das Ziel in greifbare Nähe gerückt wäre. Im März läuft die nächste Frist ab, innerhalb derer die Bildungsverwaltung eine Entscheidung über das weitere Vorgehen fällen wollte. In den Schulen verstauben hochwertige und – wie manche meinen – überdimensionierte Superrechner, ohne dass die Schulleiter über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten würden. Anders ausgedrückt: Während die Schulen unter zugigen und brüchigen Fenstern, verrotteten Sanitäranlagen und alten Fußböden leiden, müssen sie mit ansehen, dass fünfstellige Werte in ihren Kellern veralten. Das Projekt wurde schon unter Scheeres‘ Vorgänger Zöllner initiiert. Im Abgeordnetenhaus gibt es außer dem grünen Haushälter Thomas Birk kaum noch jemanden, der bei dem Thema am Ball geblieben ist.

Containerschulen in Berlin
Unterricht im Containerdorf: In Rudow demonstrieren die Schüler der Clay-Schule gegen die quadratischen Bauten, in Buckow hilft man sich selbst und in Pankow wird sogar über die Lösung gejubelt. Sehen Sie hier Bilder einiger Containerschulen in Berlin. Den Anfang macht kein Container, sondern eine Demo. Die Schüler, Lehrer und Eltern der Clayschule in Rudow demonstrierten am Mittwoch vor der Senatsfinanzverwaltung in der Klosterstraße gegen den Status quo.Weitere Bilder anzeigen
1 von 12Foto: Björn Kietzmann
19.09.2013 10:57Unterricht im Containerdorf: In Rudow demonstrieren die Schüler der Clay-Schule gegen die quadratischen Bauten, in Buckow hilft...

Dauerbrenner Unterrichtsausfall

Einen Brief hat Scheeres auch von der GEW-Schulleitervereinigung bekommen: Vorstandsmitglied Lothar Semmel warnt vor dem Mangel an Sozialpädagogen, Grundschul- und Sekundarschulpädagogen sowie an Fachlehrern für die Naturwissenschaften. Und er gibt auch Tipps, wie dem Mangel zu begegnen sei. Dazu gehören Stundenermäßigungen für Lehrer an Brennpunktschulen, was schon in der Koalitionsvereinbarung vorgeschlagen wurde – bislang ohne Konsequenz. Semmels Befürchtung, dass an diesem Montag nicht alle 720 freien Stellen besetzt sein könnten, wird von der Bildungsverwaltung aber zerstreut: „Der Stand bei den Einstellungen ist sehr positiv“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Tatsache ist: Infolge der schlechteren Bezahlung will kaum noch jemand Grundschullehrer werden: Ihre Stellen werden durch Studienräte besetzt, die aus anderen Bundesländern nach Berlin kommen, weil ihre Fächer anderswo nicht nachgefragt sind. Wer nicht kommt, sind die Mathematik-, Physik-, Chemie- und Informatiklehrer: Sie sind überall Mangelware und gehen dorthin, wo am meisten bezahlt wird. Verschärft wird die Lage durch die rasant wachsende Nachfrage nach Lehrern für die Flüchtlingsklassen. Dem Vernehmen nach soll allein in Mitte die Zahl dieser Klassen innerhalb der Winterferien von 55 auf über 70 gestiegen sein.

96 Ortsteile, 96 Bilder, 100 Prozent Berlin
Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center.Weitere Bilder anzeigen
1 von 96Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...


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