Berlin : Scherbenhaufen KPM

Die Krise der Porzellan-Manufaktur verschärft sich. 50 Arbeitsplätze sind in Gefahr

Ralf Schönball

In den Verhandlungen zur Rettung der defizitären Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) werden die letzten Tabus gebrochen. Nach Informationen des Tagesspiegels wird nun auch über Personalabbau gesprochen: 50 der derzeit noch rund 170 Stellen in dem defizitären Betrieb könnten dem Rotstift zum Opfer fallen. Die Eigentümer der Firma bestätigten, dass derzeit mit der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) und der Senatsverwaltung für Wirtschaft über ein Paket von Maßnahmen zur Rettung des Traditionsunternehmens verhandelt wird. Zu den einzelnen Maßnahmen äußere man sich aber nicht.

Dagegen zerschlagen sich die Hoffnungen auf den Einstieg eines erfahrenen Investors bei der KPM: Turpan Rosenthal, Spross der gleichnamigen Porzellandynastie und selbst erfolgreicher Unternehmer, will sein Angebot zurückziehen. Rosenthal hatte vor sieben Monaten im Privatisierungsverfahren den zweiten Platz belegt. Den Zuschlag für KPM hatte damals eine Holding des Kaiser-Urenkels Franz-Wilhelm Prinz von Preußen erhalten. Als der vom Prinzen eingesetzte Geschäftsführer Mitte dieses Jahres gehen musste und das Berliner Traditionshaus erneut ins Schlingern geriet, bekräftigte Rosenthal in Gesprächen mit der IBB und den neuen Eigentümern erneut sein Interesse an einem Einstieg bei der KPM.

Rosenthal hatte zwar keinen Kaufpreis geboten, dafür wollte er die Produktion in Berlin erhalten und so viel investieren wie niemand sonst unter den 30 Interessenten an der KPM: Fünf Millionen Euro wären in die defizitäre Firma geflossen. Daran ist derzeit aber niemand interessiert: „Es gibt keine Gespräche. Das Unternehmen wird ausgehöhlt. Deshalb werden wir unser Angebot nun auch bald zurückziehen“, sagt Rosenthal.

Einen Rückzieher wird dem Vernehmen nach auch der Prinz von Preußen machen. Dessen neuer Beauftragter, Carl-Ulrich Bremer, schließt nicht aus, dass der Kaiser-Urenkel sich als KPM-Gesellschafter zurückzieht: „An der Person des Prinzen werden die Verhandlungen nicht scheitern.“ Dabei hatte dessen klangvoller Name und ein Kaufpreis in Höhe von drei Millionen Euro den Ausschlag zu Gunsten des Hohenzollernsprosses gegeben. Doch das Geld für die Übernahme der KPM kam nicht vom Prinzen selbst, sondern von der Allgemeinen Beamtenkasse. Auch am Firmensitz, an der Straße des 17.Juni, war der Prinz nur ein Mal von Mitarbeitern gesehen worden, im vergangenen Dezember. Die Geschäfte der KPM hatten stets „Beauftragte“ des Prinzen besorgt. Derzeit ist es Berater Bremer und er sagt: „Alle wollen, dass die KPM weiter existiert.“ Deshalb werde nun auch über eine „Gesamtlösung“ zur Rettung der defizitären Manufaktur verhandelt.

Doch die Zeit läuft der KPM davon. Die Umsätze im Porzellanverkauf gehen zurück. Etwas mehr als 11 Millionen Euro flossen 2004 in die Firmenkassen, drei Millionen Euro weniger als die KPM zum Erreichen eines ausgeglichenen Ergebnisses braucht. Seit der Übernahme der Manufaktur durch die Prinzenholding ging das Geschäft offenbar weiter zurück. Aus Unternehmenskreisen heißt es, in diesem Jahr werde man sieben bis neun Millionen Euro erwirtschaften.

Diese Einnahmen reichen zwar aus, um die Gehälter zu bezahlen, versichert Prinzenbeauftragter Bremer. Dafür bleibt aber kein Geld übrig, um die Mieten für die Büro- und Produktionsflächen zu überweisen: Weil sich die Mietschulden der KPM seit Monaten erhöhen, hat der Eigentümer der Gebäude, die IBB-Tochter GSG, der Königlichen Porzellan-Manufaktur den Mietvertrag gekündigt.

Trotz dieser Schwierigkeiten ist man bei der Allgemeinen Beamtenkasse optimistisch: „In zwei bis drei Wochen ist die Einigung, die die Zukunft der KPM sichert, in trockenen Tüchern“, sagt Jörg Woltmann. Details will er nicht verraten. Zu dem Paket, über das die Bank und die KPM-Eigner mit IBB und Wirtschaftsverwaltung verhandeln, zählt nach Informationen dieser Zeitung der Erwerb der Immobilien. Ein entsprechendes Angebot legte die Allgemeine Beamtenkasse bereits vor. Die Bank könnte der KPM dann die Büro- und Produktionsflächen für eine geringere Miete überlassen – und der KPM so die Rückkehr in die Gewinnzone erleichtern.

Das Kreditinstitut hat bei den Verhandlungen ohnehin ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, weil es das Geschäft finanziert und einen Betriebsmittelkredit gewährt hatte. Im Gegenzug ließ es sich das wohl wichtigste „Vermögen“ der Porzellanschmiede verpfänden: die Namensrechte.

Einige Mitarbeiter fürchten, dass eine Insolvenz der KPM nicht ausgeschlossen ist. Dann könnte die Bank den ehrwürdigen Namen und das Logo mit dem königsblauen Zepter verkaufen. Am Erwerb eingeführter Marken sind junge Unternehmen aus internationalen Wachstumsmärkten sehr interessiert. Das königlich-preußische Porzellan könnte dann von Arbeitern in Osteuropa oder Asien gebrannt werden und zu einem Bruchteil des Preises auf den Markt kommen.

Zu den neuen Turbulenzen bei der KPM heißt es bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft: „Es gibt einen gültigen Kaufvertrag, der nach einer Prüfung des Unternehmens unterschrieben wurde.“ An diesem Vertrag halte man fest.

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