Berlin : Scheuerpulver statt Milzbrandsporen

Nach einer Woche ist klar, was im Päckchen an die Ägyptische Botschaft war

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Nach einer Woche hat die Polizei jetzt geklärt, dass in dem Brief an die Ägyptische Botschaft kein gefährlicher Stoff enthalten war – sondern Scheuerpulver. Wie berichtet, hatten Botschaftsmitarbeiter am Dienstag voriger Woche Alarm geschlagen, weil weißes Pulver aus einem Päckchen gerieselt war. Das Bürohaus am Kurfürstendamm, in dem auch die sudanesische Vertretung untergebracht ist, wurde abgeriegelt. Die Polizei hielt das Pulver für gefährlich, zumal zwei Mitarbeiter der Poststelle über Augen und Atemwegsreizungen klagten.

Doch die Post mit dem Pulver war ein schlechter Scherz. Hochkonjunktur hatte dieses Spiel mit der Angst nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Damals tauchten mehrere hundert Briefe auf, die weißes Pulver enthielten. In dieser Form kommen die Sporen des hochgefährlichen Milzbranderregers vor. Sie waren damals an Politiker und Medien in den USA verschickt worden. Während die Urheber dort bis heute unerkannt blieben, wurden viele Absender der Mehl- oder Waschpulverpost in Deutschland ermittelt und teilweise drastisch bestraft. Die Erreger in den USA stammten vermutlich aus professionellen Labors.

Bereits am Dienstag hatte die Polizei nach ersten Untersuchungen ausgeschlossen, dass es sich um einen chemischen Kampfstoff oder ein explosives Gemisch handele. Dazu hatte die Polizei ihr „mobiles Massenspektrometer" im Hof der Botschaft in Stellung gebracht. Anschließend ging das Pulver zum Robert-Koch-Institut im Wedding. Dort wurde einen Tag später schon ausgeschlossen, dass die Substanz Milzbranderreger oder einen anderen chemischen Kampfstoff enthält. Zur Sicherheit wurde das Pulver jedoch auf Nährlösungen gelegt und beobachtet – ob sich ein Bakterium entwickelt. Das dauere seine Zeit, sagte gestern ein RKI-Sprecherin.

Unbekannte Stoffe werden in der Regel in dem Weddinger Institut untersucht. Dafür will es ein neues Hochsicherheitslabor zur Erforschung von tödlichen Krankheitserregern bauen. Doch eine chemische Analyse machte das RKI nicht, dazu ging das Pulver wieder zurück an die Polizei. Über den Absender des Päckchens gibt es noch keine Hinweise.

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