Schicht im Schacht : Kripo schüttet Steglitzer Bankräuber-Tunnel zu

Im Januar wurde die Steglitzer Volksbank auf spektakuläre Weise ausgeraubt. Nun schüttet die Polizei den Tunnel wieder zu. Es bleiben viele Fragen offen. Das Landeskriminalamt will den Fall jetzt von einer neuen Seite aufrollen.

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Nach der Entfernung der Stützbalken soll der unterirdische Gang zur Volksbankfiliale in Steglitz zugeschüttet werden. Foto: dpa
Nach der Entfernung der Stützbalken soll der unterirdische Gang zur Volksbankfiliale in Steglitz zugeschüttet werden.Foto: dpa

Gute Arbeit, sofern man das bei einem Verbrechen sagen darf. Denn der Tunnel vom Steglitzer Bankeinbruch im Januar wird jetzt nach und nach von oben freigelegt und macht auch aus dieser Perspektive Eindruck, solide, gebaut für eine kleine Ewigkeit und nicht nur für einen schnellen Bruch. Allein das Holz, so hat jemand bei der Polizei nachgerechnet, hätte für die Dachstühle von zwei Einfamilienhäusern gereicht. Dennoch entsteht hier kein Denkmal: In den nächsten zwei Wochen wird der Tunnel per Bagger vollständig aufgegraben, von Kriminaltechnikern noch einmal mit archäologischer Akribie beäugt und dann für immer zugeschüttet.
Beim Landeskriminalamt sind die Ermittler nicht glücklich über den Gang der Dinge. Rund 400 Spuren, nur zum kleinen Teil personenbezogen, wurden abgearbeitet, ohne dass dabei Entscheidendes herausgekommen wäre. Ein einziges loses Ende bleibt derzeit: die Holzwinkel, mit denen die Stützbretter in den Ecken verbunden wurden. Die Polizei kennt den polnischen Hersteller, doch die Ermittlungen stagnieren. Man sei auf Polizeiebene nicht richtig weitergekommen, sagt Michael Adamski, der stellvertretende Leiter des Fachkommissariats; nun hofft er auf das Wirken eines förmlichen Rechtshilfeersuchens, um wenigstens eine Aussage zum Käufer der Winkel zu bekommen.

Tunnel-Gangster: Bilder aus dem Tresorraum
Bilder, die an einen Hollywood-Gangster-Film erinnern: Dutzende leer geräumte Schließfächer - mit unbekannten, wertvollen Inhalten. Diese Fotos vom spektakulären Tunnel-Raub stellte vor zwei Jahren die geschädigte Volksbank in Steglitz zur Verfügung und ermöglicht einen unglaublichen Anblick eines unglaublichen Verbrechens. Foto: Volksbank SteglitzWeitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Volksbank Steglitz
28.01.2013 15:14Bilder, die an einen Hollywood-Gangster-Film erinnern: Dutzende leer geräumte Schließfächer - mit unbekannten, wertvollen...

Doch die Zuversicht scheint nicht allzu groß zu sein, und deshalb tritt nun Plan B in Kraft. So genannte „Profiler“ des LKA sollen den Fall noch einmal von einer anderen Seite aufrollen, sollen den Tätern gewissermaßen von ihrer menschlichen Seite näherrücken, dort „wo wir vielleicht einen Tunnelblick hatten“, wie Adamski mit minimalistischer Ironie sagt.
Auch der Tunnel selbst gibt noch immer Rätsel auf. Er verläuft von seinem Ausgangspunkt in der Tiefgarage zunächst schnurgerade diagonal unter dem Parkplatz. Aber, wie Adamski sagt: „Da wären sie unter dem Schlossparktheater rausgekommen.“ Also gibt es einen Knick, und von dort an sieht die Arbeit weniger akkurat aus, so, als sei beim Graben gesucht worden. Weiter ist völlig unklar, wie der Tresorraum letztlich getroffen wurde, denn das schaffen auch legal arbeitende Profis nur, wenn sie ab und zu nach oben bohren und nachschauen.

Und überhaupt: Warum das ganze Gewühle? Wertsachen für zehn Millionen Euro sind offiziell verschwunden – doch Hehler würden dafür nur einen Bruchteil zahlen. Die Volksbank weiß auch nur, was nicht weggekommen ist: Von 3200 sichergestellten Gegenständen habe man 1400 zweifelsfrei zugeordnet, sagt Bank-Sprecherin Nancy Mönch. 147 von 294 betroffenen Fachinhabern hätten Teile ihrer Wertsachen zurückbekommen, zehn Prozent sogar den kompletten Inhalt. Im Juli, so hofft man, könnten den Kunden die derzeit noch nicht zugeordneten Gegenstände gezeigt werden.
Die Polizei hat die Sonderkommission aufgelöst, nun arbeiten nur noch die Beamten, die beim LKA für schwere Einbrüche ohnehin zuständig sind. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf dem letzten Mittel: Wenn alles gut geht, soll „Aktenzeichen XY“ im August die Bevölkerung noch einmal so richtig wach rütteln und die heiße Spur zutage fördern.

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