Berlin : Schichtdienst am Altar

Touristen schätzen die Potsdamer Friedenskirche. 30 Ehrenamtliche ermöglichen Besichtigungen

Annette Kögel (mit epd)

Potsdam-Touristen zeigen das Schmuckstück auf Fotos und Videos in der ganzen Welt herum. Doch dass sie die Friedenskirche am Eingang des Schlossparks Sanssouci überhaupt besichtigen können, ist dem Einsatz von Ehrenamtlichen zu verdanken. „Ohne unsere Freiwilligen könnten wir das Angebot der offenen Kirche gar nicht aufrechterhalten“, sagt Regine Wanckel vom Büro der Friedenskirche Am Grünen Gitter 3 in Potsdam. Rund 30 Männer und Frauen, die meisten von ihnen im beruflichen Ruhestand, wechseln sich im Zwei-Stunden-Schichtdienst ab.

„Sie tragen sich selbst in die Listen ein, das klappt ganz wunderbar“, sagt Regine Wanckel. Längst nicht alle der Helfer sind Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde. „Es melden sich auch immer Menschen, die sich für die Architektur oder die Historie interessieren.“ Besondere Qualifikationen müssen die Betreuer nicht mitbringen, „aber mit Menschen sollten sie umgehen können“, sagt Wanckel. Fremdsprachenkenntnisse seien nicht Voraussetzung, im Gotteshaus liegen Infoflyer in 15 Sprachen aus.

Diese werden demnächst stark gefragt sein, wenn in der Friedenskirche am 27. August der evangelische Hohenzollern-Nachfahre Georg von Preußen die Katholikin Sophie von Isenburg heiraten wird. Um die geplante Übertragung im Fernsehen gibt es Streit, die einen haben Sehnsucht nach Kitsch und Romantik wie beim britischen oder monegassischen Hochzeitsevent. Die anderen lehnen das mediale Adelsspektakel um ein privates Paar im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen ab.

Bei den Ehrenamtlichen fragen jetzt viele Besucher nach, ob man die Hochzeit nicht irgendwie live verfolgen könne. „Wir selbst dürfen sowieso nicht rein“, sagt der Mann am Infotisch mit den Souvenirpostkarten und lacht. Der 67-jährige Kfz-Schlosser wurde in der Friedenskirche konfirmiert und getraut, als Mitglied im Team der Ehrenamtlichen kümmert er sich mehrmals in der Woche um die Besucher in dem Unesco-Weltkulturerbe-Denkmal in Potsdam. Seine Kollegin hat ihre Schicht gerade beendet, die 70-Jährige in der blauen Jeansweste arbeitete früher als Wirtschaftsingenieurin. Zu DDR-Zeiten hat sie drei Industriekombinate mit aufgebaut – Kirchenmitglied ist sie nicht. Die Liebe zur Architektur habe sie zu ihrem Ehrenamt gebracht, sagt die Frau.

In der Friedenskirche arbeiten nicht nur Ehrenamtliche, ihr Engagement wird hier auch regelmäßig gewürdigt. Die brandenburgische Landesregierung lädt zur Verleihung des Potsdamer Ehrenamtspreises in die Kirche. Und bei der bevorstehenden Hochzeit hofft die Gemeinde nun darauf, dass auch das Brautpaar etwas für die Kollekte gibt. Annette Kögel (mit epd)

0 Kommentare

Neuester Kommentar