Berlin : Schicker Sparen

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Von Holger Wild

Friedrichshain. Der erste Baustein des geplanten neuen Stadtquartiers „Media Spree“ hat Gestalt angenommen. Hinter einem sanierten verklinkerten Altbau am Stralauer Platz, gegenüber dem Ostbahnhof, ragt sechs Stockwerke hoch der Neubau des „Energieforums Berlin“ auf. Während die anderen Projekte auf dem 120 Hektar großen Areal beiderseits der Spree, das zum Standort für Medienunternehmen und Zukunftsbranchen werden soll, nicht über das Planungsstadium hinaus sind, werden am Energieforum schon die Fassadenteile angebracht.

Lindgrüne, matte Aluminiumplatten decken die Fronten nach Osten und Westen. Nach Süden hin, zur Spree, ist die Fassade voll verglast, nach oben auch das gebäudehohe Atrium. Ausschließlich nach Norden, zum Stralauer Platz hin, zeigt der Altbau – das Magazin-Gebäude – sein denkmalgeschütztes Gesicht mit den drei Giebeln. 1904 von den Regierungsbaumeistern Reimers & Körte gebaut, wurde das Klinker-Haus von der Berliner Gasanstalt genutzt, die hier einst die Gaskandelaber der Straßenbeleuchtung reparieren ließ. In der DDR arbeitete der VEB Vergaserbetriebe in den mehr als vier Meter hohen Räumen.

Eine „Themenimmobilie“ nennt der Projektentwickler HPE das Gebäude: 70 Prozent der 18 200 Quadratmeter Büroflächen sollen an Unternehmen und Verbände vermietet werden, die im Bereich regenerative Energien arbeiten. Sie zahlen auf eine Dauer von 15 Jahren nur einen Mietpreis von 10,50 Euro pro Quadratmeter, während von „gewöhnlichen“ Mietern 14 Euro verlangt werden. Der geringere Mietzins wird möglich durch Fördergelder von EU, Land und Bezirk. So wird zum Beispiel die AG für Umweltfragen, die das Umweltsiegel „Blauer Engel“ vergibt, in das Energieforum ziehen.

Eine „Themenimmobilie“ ist es aber auch, weil es der Energiewirtschaft ein Niedrig-Energie-Haus anbietet. Die Heizkosten sind um 75 Prozent geringer als bei vergleichbaren Gebäuden, sagt Uwe Köberle vom Projektentwickler HPE. Eine Klimaanlage gibt es nicht. Das Haus wird gekühlt, indem unter anderem im Sommer nachts automatisch die Fenster zur Spree hin geöffnet werden.

Auch die Wärmespeicherung des Erdreichs wird genutzt: „Die Pfähle reichen 15, 16 Meter in den Boden hinab“, sagt Köberle. Und sie leiten Wärme in den Beton des Gebäudes. Wärmetauscher gewinnen bis zu 80 Prozent der Energie aus der Abluft zurück. Das 900 Quadratmeter große Glasdach über dem Atrium ist mit halb durchsichtigen Photovoltaik-Zellen zur Stromgewinnung bedeckt. Und „adaptive Beleuchtung“ verhindert Energieverschwendung: Das Licht geht nur an, wenn jemand im Raum ist, und Sensoren steuern die Leuchtstärke der Lampen in Abhängigkeit vom Tageslicht.

Im September sollte der Bau vollendet sein. Doch nun sind die Arbeiten an der Fassade in Verzug geraten. „Das sechste Obergeschoss des Neubaus ist angeschrägt. Daher werden die Aluminiumplatten maßgefertigt, ebenso wie die gläsernen Anschlussteile zum Magazin-Gebäude“, sagt Köberle. „Die Bauarbeiter müssen alles nachmessen.“ Auch das riesige Glasdach muss noch montiert werden. So wird die Fertigstellung wohl erst im November oder Dezember gefeiert werden.

So lichtdurchflutet schick wie das Äußere ist auch das Innenleben des grün schimmernden Neubaus. Das gläserne Dach überspannt ein Atrium, in dem eine Freitreppe den Höhenunterschied zwischen Stralauer Platz und Uferpromenade nutzt und zugleich als Tribüne für kulturelle Veranstaltungen dienen soll – kommunikativer Mittelpunkt des Energieforums. Rund 60 Millionen Euro hat die HPE in den Neubau nach einem Entwurf der Architekten Bothe & Richter & Teherani sowie in die Sanierung des Magazin-Gebäudes und zweier Neben-Gebäude gesteckt. Köberle hofft, Ende des Jahres 75 Prozent der Flächen vermietet zu haben.

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