Schienenverkehr : Die Bahn – unpünktlich und langsam

Mängel an den Anlagen, Bauarbeiten oder unzureichende Planung: Auf 16 Prozent der Strecken in der Region erreichen die Züge nicht die vorgesehene Geschwindigkeit.

Klaus Kurpjuweit

Obwohl Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) von Potsdam nach Berlin mit der Bahn gefahren war, schaffte er es gestern, pünktlich zu einem Termin zu kommen. Selbstverständlich ist dies nicht: Die Pünktlichkeitsquote der Züge im Regionalverkehr hat sich auch im ersten Halbjahr 2007 erneut verschlechtert. Nur 89,3 Prozent der Züge erreichten ihr Ziel in der vorgesehenen Zeit.

Auf 16 Prozent des Netzes in Berlin und Brandenburg können die Züge derzeit nicht mit der vorgesehenen Geschwindigkeit fahren, weil Mängel an den Anlagen, Bauarbeiten oder eine unzureichende Planung die Fahrt bremsen, wie die gestern vorgelegte „Qualitätsbilanz 2006“ des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zeigt.

In Rage bringt Dellmann dabei, dass die Bahn in Berlin und Brandenburg Preise für das Halten der Züge in Bahnhöfen und das Befahren der Gleise verlangt, die doppelt so hoch seien wie im Bundesdurchschnitt. Brandenburg hat jetzt nach Dellmanns Angaben die oberste Regulierungsbehörde gebeten, die Preispolitik der Abteilungen Netz sowie Station und Service des Bahnkonzerns zu prüfen.

Dellmann sprach sich dafür aus, das Netz bei einer Privatisierung der Bahn beim Staat zu lassen. Nur dann könne die Qualität gesichert werden; bei privaten Eigentümern stünde der Regionalverkehr nicht im Mittelpunkt des Interesses.

Doch auch mit der Leistung unter öffentlicher Regie ist der VBB-Chef Hans- Werner Franz nicht zufrieden. Ziel sei es, dass mindestens 95 Prozent der Züge, bei der S-Bahn sogar 96 Prozent, pünktlich fahren. Im vergangenen Jahr sei der Wert im Regionalverkehr jedoch von 91,6 Prozent auf 90,4 Prozent gefallen. Die S-Bahn hatte ihre Quote dagegen nach VBB-Angaben von 95,3 auf 96 Prozent verbessert; im ersten Halbjahr 2007 allerdings ebenfalls verschlechtert – auf nur noch 91,6 Prozent. Dies lasse sich nicht allein mit dem derzeit hohen Krankenstand bei den Triebfahrzeugführern begründen, der, wie berichtet, dazu führt, dass die S-Bahn den Betrieb einschränken muss. Auch eine hohe Zahl von Türstörungen oder nicht funktionieren Weichen hätten den Fahrplan durcheinander gebracht, sagte Franz.

Er wirft der Bahn vor, sie sei nicht einmal in der Lage, Fahrpläne so zu entwerfen, dass sie auch umgesetzt werden können. Deshalb habe im vergangenen Jahr die Strecke Angermünde–Stettin vorübergehend sogar auf Busverkehr umgestellt werden müssen.

Um Verspätungen zu vermeiden, müsse die Bahn wieder mehr Überholgleise einbauen und die Signaltechnik verbessern, forderte Dellmann. Um Kosten zu sparen, hat die Bahn hierbei in den vergangenen Jahren kräftigt abgespeckt. Doch auch wo investiert werde, habe der Kunde oft keinen Nutzen, kritisierten Dellmann und Franz. Um Schrankenwärter ablösen zu können, statte die Bahn ihre Übergänge an Straßen mit automatischen Anlagen aus. Weil diese oft auf dem niedrigsten technischen Standard seien, müssten die Züge dort jetzt aber oft bremsen.

Dass die Bahn weniger Geld erhält als im Verkehrsvertrag vorgesehen ist, wenn die Züge unpünktlich sind, sei kein Trost, sagte Franz. Die Leistung müsse stimmen – im Interesse der Kunden.

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