Schießerei in Buckow : Polizei hofft auf weitere Zeugen

Die Ermittlungen nach der Schießerei bleiben schwierig. Immerhin ist einer der Schwerverletzten offenbar auf dem Weg der Besserung. Und was schreibt die türkische Presse zu dem Fall?

von , und Atila Altun
Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Isabelle Buckow
22.05.2012 11:49Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.

Nach der Bluttat von Buckow richtet sich die Polizei mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit. Gesucht werden weitere Zeugen, um die schwierigen Ermittlungen voranzubringen. Dazu gibt die Polizei eine etwas genauere Beschreibung des flüchtigen Täters heraus. Demnach soll dessen Kapuzenjacke die Farbe grün-schwarz gehabt haben sowie einen Reißverschluss. Nach den Schüssen lief der auf 1,80 Meter geschätzte Mann in den Möwenweg hinein, eine ruhige Wohnstraße, die gegenüber dem Krankenhaus von der Rudower Straße, dem Tatort, abzweigt. Weitere Angaben konnte das Präsidium trotz Zeugenbefragungen nicht machen.

Am Donnerstag hatte ein Unbekannter gegen 1.15 Uhr aus der Nähe auf eine Gruppe von fünf Jugendlichen gefeuert. Der 22-jährige Burak B. starb, zwei Freunde im Alter von 16 und 17 Jahren wurden schwer verletzt. Auf Facebook berichtete die Familie eines Opfers, dass es Markus Jamal Al-H. besser gehe, er aber noch auf der Intensivstation bleibe. Zwei Männer (20, 21) blieben unverletzt. Alle Opfer haben einen Migrationshintergrund. In der Nacht zu Sonnabend wurde in einem BVG-Bus ein mit einem Kapuzenpulli bekleideter Mann von der Polizei vorübergehend festgenommen und befragt. Doch der Hinweis eines Zeugen auf einen angeblich Verdächtigen war falsch, der Mann wurde freigelassen. Auch die restlichen zehn Hinweise brachten die Mordkommission nicht weiter.

Auf Facebook berichtet der Bruder von Al-H., dass dieser und der getötete Burak B. „nie ein Messer getragen“ und nie „Streit gemacht“ haben: „Sie liebten ihr Leben.“ An dem Abend soll die Gruppe sich auf der Rudower Straße laut unterhalten haben, sie sollen alkoholisiert gewesen sein. Ohne vorherigen Streit soll dann der Unbekannte bis auf wenige Schritte plötzlich an die Gruppe herangetreten sein und gefeuert haben.

Während der Hintergrund noch völlig unklar ist, bringen einige türkische Medien die Tat mit der Serie rechtsextremer Morde der Zwickauer Terrorzelle in Verbindung. Genau wie in den Jahren der ergebnislosen Ermittlungen bei den so genannten Döner-Morden wolle die deutsche Polizei auch diesmal nicht von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat sprechen, kommentierte die Zeitung „Star“. In der Tageszeitung „Hürriyet“ heißt es: „Das Motiv ist weiterhin nicht bekannt. Während die Staatsanwaltschaft die Untersuchungen in alle Richtungen fortsetzt, werden aufgrund der Mordserie der terroristischen Vereinigung NSU die Ermittlungen besonders sensibel betrachtet. Die Berliner Staatsanwaltschaft wird auch in diese Richtung aufmerksam ermitteln.“

Die Zeitung „Sabah“ beschreibt Einzelheiten der Tatnacht: „Ein Augenzeuge berichtet: Aus dem Kreis der Jugendlichen schien eine fröhliche Stimmung auszugehen, als hätten sie einen bestimmten Anlass zu feiern. Wenig später war es still und ich habe dann Schüsse gehört.“ Auch der Vater des Opfers wird zitiert: „Der Vater des aus Samsun stammenden türkischen Jugendlichen, Ahmet B., sagte, dass sein Sohn gerade eine Ausbildung bei einem Autohändler begonnen und am Tag des Vorfalls gegen 22 Uhr mit einem Firmenwagen die Wohnung verlassen hatte."

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