• Schießerei statt Standesamt – Familienstreit eskaliert Romeo und Julia in Wedding: Hochzeit mit Gewalt verhindert

Berlin : Schießerei statt Standesamt – Familienstreit eskaliert Romeo und Julia in Wedding: Hochzeit mit Gewalt verhindert

Jörn Hasselmann

Sie liebten sich, sie wollten bald heiraten. Doch den Familien der Türkin Esra C., 18 Jahre jung, und des Albaners Hasan M., 19, passte das nicht: Albaner heiraten keine Türken, basta. Also wurde ein „klärendes Gespräch“ in einem Weddinger Café vereinbart, um die Hochzeit zu verhindern. Doch das Gespräch eskalierte am Mittwochabend nach wenigen Minuten, setzte sich auf dem Gehweg in einer Rangelei fort und wurde schließlich durch Schüsse aus einer Waffe beendet.

Lebensgefährlich verletzt lag am Ende der 38 Jahre alte Halbbruder von Esra C. auf dem Bürgersteig der Drontheimer Straße. In seiner Wut und dem Durcheinander der Schlägerei hatte der 54-jährige Schütze Ismailaki M. auch noch seinem eigenen 21-jährigen Sohn ins Gesäß geschossen und ihn schwer verletzt. Der Zustand des türkischen Opfers war auch gestern noch kritisch. Der in Ankara geborene Mann hatte sich zwar nach den Schüssen in das gegenüberliegende Krankenhaus geschleppt, war dort aber im Eingang zusammengebrochen, er erlitt unter anderem einen Lungendurchschuss. Der Schütze hatte sich nach der Tat aufs Trottoir gesetzt und auf die Polizei gewartet. Er wurde dem Haftrichter vorgeführt.

Einen Termin fürs Standesamt gab es noch nicht, sagte eine Beamtin der 4. Mordkommission – ob er nach dieser Schießerei noch zustande kommt, sei fraglich. Vor allem die albanische Seite habe die Hochzeit abgelehnt. Am Freitag hatte der 21-Jährige Bruder des albanischen Bräutigams das türkische Mädchen mit einer Flasche beworfen.

Viel ausgesagt haben die Beteiligten nicht bei der Kripo, auch die Waffe ist noch nicht gefunden worden. Die Ermittler glauben, dass acht Personen an dem „Gespräch“ im „Telecafé“ beteiligt waren, vielleicht auch Braut und Bräutigam. Beide Familien wohnen im Soldiner Kiez, hätten bequem zu Fuß in das Café kommen können. „Ein gefährliches Pflaster“ nannte ein LKA-Beamter dieses Karree zwischen Osloer Straße, Drontheimer Straße, Prinzenallee und Soldiner Straße. Der Kontaktbereichsbeamte beschrieb die Lage so: „Es brodelt im Hintergrund und ab und an knallt es.“

Da mittlerweile fast alle Bewohner Ausländer seien, sei die Abschottung gegenüber der deutschen Polizei groß. „Selbst ein Gespräch mit einem Falschparker ist nicht mehr möglich, weil man Angst vor Gewalt hat.“ Es war auch nicht die erste Schießerei im Kiez. Im Mai 2001 hatten sich drei Männer aus dem libanesischen Kriminellenmilieu auf einem Parkplatz in der Drontheimer Straße einen Schusswechsel geliefert. Auch die Schüsse, die im Januar 2002 nur 100 Meter entfernt fielen, gingen auf das Konto libanesischer Krimineller.

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