Berlin : Schildbürger

Andreas Conrad

befürchtet keinen Mauertausch mit Israel In Auerbachs Keller war die Sache noch klar: „Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied“ – wir dürfen davon ausgehen, dass die Goetheschen Zechkumpane politische Kunst insgesamt ablehnten. So weit sollte man nicht gehen, zumal nicht mit klarem, vom Geist des Weines freiem Kopf, der doch Voraussetzung ist für jede ernst zu nehmende Kritik, die ein Kunstwerk, sei es politisch oder nicht, aushalten muss. Das zum Einstein-Jahr vom Einstein Forum in Auftrag gegebene Werk des Schweizers Christoph Büchel ist politische Kunst ohne Zweifel – dazu eine, die zu Widerspruch reizt: Nahe der Wohnung des Physikers in der Haberlandstraße, an der Ecke Güntzelstraße/Bamberger Straße in Wilmersdorf, steht ein vermeintliches Bauschild, auf dem der Austausch von Teilen der Berliner Mauer gegen Teile der israelischen Grenzanlagen angekündigt wird. Jetzt hat auch Uwe Lehmann-Brauns, Kulturexperte der CDU, das Schild entdeckt – und prompt von Senat und jüdischer Gemeinde Gegenmaßnahmen zu dem von ihm real erwarteten Mauertausch gefordert. Dabei hätte ein Blick auf die Internetseite genügt, die Adresse des Forums steht auf dem Schild: Mag dieses auch real sein, das Projekt des Mauertauschs ist reine Fiktion.

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