Berlin : Schimpanse biss Zoochef den Finger ab

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Blaszkiewitz

Der Direktor des Zoologischen Gartens und des Tierparks, Bernhard Blaszkiewitz, ist am Montag von einem Schimpansen schwer verletzt worden. Pedro, Chef der Schimpansengruppe, biss Blaszkiewitz während einer Führung im Zoo den rechten Zeigefinger ab. Der Finger hing noch an einem Hautfetzen, der Zoodirektor wurde ins Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn gebracht. Dort wollten die Experten noch bei einer Operation bis in die Nacht versuchen, den Finger wieder anzunähen. Der Patient schwebe in großer Gefahr, sagt der Chefarzt der Abteilung für Handreplantations- und Mikrochirurgie, Andreas Eisenschenk, dem Tagesspiegel: „Bisse von Affen sind hoch infektiös, die Tiere können Keime übertragen, die für den Menschen sehr gefährlich sein können.“ Gewissheit darüber habe man in 24 bis 72 Stunden. Der Unfall geschah gegen Mittag, als Blaszkiewitz einen Gast durchs Affenhaus führte.  Bei Gruppenführungen gehen Zoo-Mitarbeiter nie dicht ans Gehege. In so einem Fall, bei einer Einzelführung, machte der Zoochef eine Ausnahme, reichte Pedro eine Walnuss durchs Gitter – der Schimpanse biss zu.

Im UKB dann wurde Blaszkiewitz in Narkose versetzt. Die Fachleute berieten sich intensiv, denn der Finger sei durch den Biss des Tieres „relativ zerstört worden“, sagte Chefarzt Eisenschenk. Dann die Entscheidung: Operation, nicht Amputation, gegen 22 Uhr sollte Gewissheit herrschen, ob die OP erfolgreich war, das Ergebnis aber noch nicht öffentlich gemacht werden. Die Chancen auf Erfolg beliefen sich auf nur 20 Prozent. Eisenschenk: „Nur ein Nervenstrang ist noch intakt, aber das ist der Grund dafür, dass wir versuchen, die Gefäße wiederherzustellen, weil sich Gefühl wieder aufbauen kann.“

Im Büro des Zoochefs hieß es, dieser sei gleich nach dem Biss noch davon ausgegangen, dass er am Dienstag wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren würde.

Der Schimpanse Pedro gehört zu einer Gruppe älterer Affen, die 2003 wegen Platzmangels nach China geliefert werden sollte. Dies passierte aber doch nicht, auch infolge der Proteste von Tierschützern. Nachdem Eisbär Knut dem Zoo Gewinne von gut sechs Millionen Euro einbrachte, konnte die Schimpansenanlage umgebaut werden, mit größerem Käfig, Naturboden und Wasserlauf. Aus Platzgründen gibt es keinen Graben, sondern ein feinmaschiges Sichtgitter.kög

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