Schinkel-Akademie : Ein Traum für 20 Millionen Euro

26.03.2008 00:00 Uhr
schinkel Foto: ddp
Noch eine Attrappe. Seit vier Jahren gehört die Schaufassade der einstigen Bauakademie zum Stadtbild. Wall will, dass aus Stoff bald Stein wird. - Foto: ddp

Berlins Mäzene werden immer großzügiger. Mit seiner Zusage, die Rekonstruktion der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel in Millionenhöhe zu unterstützen, übertrifft Hans Wall sie alle.

Berlins Großspender gehen in die Offensive. Die Zusage des Unternehmers Hans Wall, aus seinem Privatvermögen 20 Millionen Euro für den Aufbau der Bauakademie zu stiften, sprengt die bislang üblichen Dimensionen. Sie zeigt, dass in Berlin große Mäzene immer mehr an Bedeutung gewinnen, wie traditionell in Hamburg oder seit jüngster Zeit auch in Potsdam. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig, fand am Dienstag als Erste warme öffentliche Dankesworte. „Wir freuen uns, dass der Unternehmer Hans Wall 20 Millionen Euro spenden möchte, um die Rekonstruktion der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel am Werderschen Markt zu fördern.

“ Das Haus sei einfacher zu rekonstruieren als die Schlossfassade und der skulpturenreiche Schlüterhof.

Eine 20-Millionen-Zusage, wie sie Potsdam vom Unternehmer Hasso Plattner (für die Schlossfassade) bekam – das ist für Berlin etwas Besonderes. Hier buhlen nicht Sponsoren um Investitionen – wie etwa bei der Hamburger Elbphilharmonie. Aber auch Berlins Großspender zeigen sich immer generöser. Neben Wall sind das beispielsweise die Unternehmer Peter Dussmann, Werner Gegenbauer, Hartwig Piepenbrock. Die Familie Berggruen, Werner Otto, Erich Marx, Peter Raue, Ruth Cornelsen – diese und viele andere Namen sind mit Spenden und Stiftungen verbunden. Großbürgerliches Mäzenatentum hat sich auffallend erst nach der Wiedervereinigung etabliert. Überwiegend zugewanderte Unternehmerfamilien fühlen sich der Stadt verpflichtet, weil sie hier viel Geld verdient haben und weil ihnen Berlin gefällt. Hans Wall wollte sich gestern zu seinem jüngsten Engagement ausdrücklich nicht weiter äußern. Am Wochenende hatte seine üppige Millionenzusage das seit Jahren angekündigte, aber bislang nicht finanzierbare private Bauakademie-Projekt am Schlossplatz wieder in Erinnerung gebracht. Der Verein Internationale Bauakademie Berlin will das nach dem Krieg abgerissene Gebäude aufbauen, ein Architekturmuseum mit Archiv, im Erdgeschoss Läden mit Kunst- und Architekturbezug unterbringen. Bislang steht eine Stoffattrappe. Für 20 Millionen Euro ließe sich ein Neubau herstellen. Die Kulturverwaltung schloss sich gestern den Dankesworten der Grünen-Fraktionschefin an. Es sei allgemein ein verstärktes Mäzenatentum zu bemerken, hieß es, auch sei Kulturstaatssekretär André Schmitz „beim Einwerben von Spenden sehr engagiert“. Er knüpfte auch den Kontakt mit Wall. Der Unternehmer, der 1976 in Ettlingen eine Firma für Verkehrswerbung gründete, ist seit 1984 in Berlin, richtete 2002 die Unternehmenszentrale an der Friedrichstraße ein. Für Berlin hatte er schon etliche Millionen übrig, finanziert etwa (wie auch die Firma Ströer) zahlreiche Brunnen, auch 2008 wieder für rund 400 000 Euro. Er bezahlt die Weihnachtsbeleuchtung am Kurfürstendamm, spendierte für den Kirchenraum der Gedächtniskirche vor drei Jahren 750 000 Euro. Er hilft Vereinen für benachteiligte Kinder, fördert Projekte für Migranten und unterstützt den Spendenverein des Tagesspiegels „Menschen helfen!“. Als Vorsitzender von „Denk mal an Berlin e. V.“ sanierte Wall das Denkmal im Viktoriapark.

Die Firma ist zu einem globalen Großbetrieb für Außenwerbung geworden. Im Jahr 1999 erhielt Wall das Bundesverdienstkreuz, insbesondere für sein ehrenamtliches Engagement für Berlin. Er wurde 2004 von der Jüdischen Gemeinde für sein Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und für Toleranz ausgezeichnet.

Für Hans Wall ist die Bauakademie „mein Traum von einem Schloss in Berlin“. Und das Schloss selbst? Die Senatsbehörde für Stadtentwicklung bestätigte, dass Wall die Humboldt-Box als Informationsstelle auf dem Schlossplatz finanzieren will. Über den Antrag sei aber noch nicht entschieden. Nach Auskunft von Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss geht es um eine Investition in Höhe von rund acht Millionen Euro. „Hans Wall ist einer der größten Schlossfreunde, wenn man ihn nur lassen würde“, sagte von Boddien.

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