Berlin : Schinkeldenkmal: Heute wird das Monument auf dem Kreuzberg fertiggestellt

Johannes Metzler

Die Bomben, die im Zweiten Weltkrieg aus dem Himmel über Berlin auf die Stadt fielen, überstand das Denkmal unbeschadet. Doch während zu seinen Füßen im Viktoriapark Jahr für Jahr die "Kreuzberger Festlichen Tage" gefeiert wurden, nagte der Zahn der Zeit erbarmungslos an dem Bauwerk. Denn hinter der kunsthistorisch interessanten Fassade verbargen sich schwere Konstruktionsfehler, die den Bezirkspolitikern seit nunmehr 20 Jahren Kopfschmerzen bereiteten.

Dabei wurde das Denkmal mit seinen klassizistischen Figuren - Allegorien auf bedeutende Schlachten der Kriege, mit denen sich Preußen Anfang des 19. Jahrhunderts vom Joch Napoleons befreite - in diesem Jahrhundert bereits mehrmals restauriert. Bei einer Generaluntersuchung kamen allerdings Ende der 70er Jahre konstruktive Mängel zum Vorschein: Das Tonnen schwere Monument mit seinen gusseisernen Trägerelementen war von innen vom Rost zerfressen. Aus Sparsamkeit hatten die Ingenieure 1821 auf eine Regenwasser-Ableitung verzichtet - ein fataler Fehler. 1979 sperrte die Bauaufsicht das Gebäude: Dass es nicht eingestürzt sei, hieß es, grenze an ein Wunder. Die anschließende Sanierung konnte 1986 abgeschlossen werden, sie verschlang sieben Millionen Mark. Doch die Freude währte nicht lange. Bereits 1995 wurden abermals Wasserschäden entdeckt. Ein Gutachten brachte traurige Gewissheit: Weitere 6,5 Millionen Mark seien nötig, um das Denkmal gewissenhaft zu reparieren. Bei der ersten Rundum-Sanierung sei "Mist gebaut worden", ärgerte sich die damalige grüne Baustadträtin Erika Romberg seinerzeit. Das 19 Meter hohe Wahrzeichen wurde zerlegt und verschwand hinter Planen.

Heute um 13 Uhr ist es nach fünf Jahren nun endlich soweit: Baustadtrat Matthias Stefke wird das für 7,2 Millionen Mark sanierte Kreuzbergdenkmal der Öffentlichkeit übergeben. Die komplizierte Finanzierung verzögerte die Ausführung der Reparaturen: "Wir bekamen nur jeweils Zusagen für ein Jahr und mussten dann die Anträge neu stellen", sagt Stefke. Stolz ist er außerdem über den frischen dunkelgrünen Anstrich, der dem historischen Original entspreche.

In dem alten Gewölbe unter dem Denkmal hätte er nach Abschluss der Sanierung nun gerne eine "hochwertige Gastronomie" angesiedelt - entsprechende Ideen gibt es seit Mitte der 80er Jahre. Auch von gelegentlichen Regierungsempfängen "wie auf dem Petersberg in Bonn" hat er früher geträumt. Doch die Stiftung Denkmalschutz, die einen Teil bezahlt hat, fand ein Feinschmeckerlokal im Gewölbe unangemessen. Sie machte zur Auflage, dass nur eine "museale Nutzung" in Frage komme. Ein Konzept wird derzeit erarbeitet, eine Ausstellung könnte frühestens im Sommer 2001 eröffnen. Die Exponate allerdings lagern bereits in dem Gemäuer, darunter ein Gipsabguss der Quadriga vom Brandenburger Tor und ein Fries der Alten Münze in Mitte. Und wenn die Reparaturen dieses Mal länger halten, müssen sie auch nicht mehr unter ständiger Feuchtigkeit leiden.

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