• Schlachtensee: Der Bezirk hat seine "Badende" wieder - Hinckeldey-Stiftung spendete für Nachguss einer seit 55 Jahren verschwundenen Skulptur

Berlin : Schlachtensee: Der Bezirk hat seine "Badende" wieder - Hinckeldey-Stiftung spendete für Nachguss einer seit 55 Jahren verschwundenen Skulptur

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Seit gestern hat Schlachtensee seine "Badende" wieder. Die nach dem ehemaligen Berliner Polizeipräsidenten Carl Ludwig von Hinckeldey benannte Stiftung hat die Kosten für den Nachguss der lebensgroßen Bronzeplastik des Bildhauers Ferdinand Lepcke (1866 - 1909) getragen. Das Original der unbekleideten antiken Frauengestalt wurde 1925 aufgestellt. Zehlendorfer Bürger hatten damals die 3000 Mark gespendet, die für den Kauf der Plastik aus dem Nachlass Lepckes nötig waren. In den Wirren der letzten Kriegstage verschwand sie vom Seeplatz gegenüber dem S-Bahnhof.

Insgesamt brachte die Hinckeldey-Stiftung, deren Vorsitzende der frühere Berliner Polizeipräsident Georg Schertz ist, 85 000 Mark für die Neugestaltung des Parks auf. Allein 35 000 kostete der Nachguss der Plastik. Die "Badende", die von den Zehlendorfern so genannt wurde, die Lepcke aber als "Phryne" bezeichnete, steht auch im angrenzenden Kleinmachnow. Dort lebte der Bildhauer viele Jahre, und es wird behauptet, seine Geliebte - oder Lebensgefährtin - habe Modell gestanden.

Hinckeldey war ein politisch sehr konservativer und dem Monarchen streng ergebener Polizeipräsident. Er bespitzelte, kontrollierte, zensierte auch in den höchsten Adelskreisen, war aber beim Volk beliebt und hat soziale Einrichtungen wie Suppenküchen geschaffen. Er legte aber auch den Grundstein für die Berufsfeuerwehr, schuf die Straßenreinigung und ließ öffentliche Bedürfnisanstalten aufstellen, die als "Café Achteck" bekannt wurden.

Die Hinckeldey-Stiftung wurde 1925 ins Leben gerufen, stellte aber in den Wirren der Inflation die Arbeit ein. Anfang der 90er Jahre meldete sich ein Ur-Urenkel Hinckeldeys beim damaligen Polizeipräsidenten Schertz und bat um die Pflege des Grabes seines Vorfahren in Prenzlauer Berg. Im Gegenzug versprach er, die Stiftung wieder ins Leben zu rufen. Ihre Ziele sind die Hilfe für in Not geratene Polizisten und deren Angehörige sowie die Denkmalpflege.

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