Berlin : Schlachtensee: Studentendorf immer noch nicht verkauft

Katharina Körting

Der Investor ID & A muss bis Montag ein Finanzierungskonzept für das Studentendorf Schlachtensee in der Wasgenstraße vorlegen. Andernfalls könnte das gesamte Verfahren nochmal von vorne beginnen, sagt Ephraim Grothe aus dem Büro von Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Bisher liege keine tragfähige Finanzierung vor - "ein Unding", findet der Steglitz-Zehlendorfer Baustadtrat Ralf Körner (CDU), der in der Auswahljury saß und erst später erfuhr, dass das Projekt auf wackligen Beinen steht. "Der Bezirk fühlt sich vom Senat an der Nase herum geführt", kritisiert Körner und fordert: "Die Verwaltung muss das Verfahren für gescheitert erklären und den Studenten eine faire Chance geben."

Die faire Chance gab Anfang August der Wissenschaftskoordinator Bernd Köppl (Grüne), ohne sich allerdings mit den Kollegen von der Bauverwaltung abzustimmen. Köppl sicherte den Studenten zu, dass sie bis Ende des Jahres Zeit hätten, ein eigenes Konzept zu erarbeiten (wir berichteten). Damit unterstützt die Wissenschaftsverwaltung die AG Studentendorf Schlachtensee, die das landeseigene Grundstück mit seinen 1060 Wohnheimplätzen selbst kaufen und sanieren will. Köppls Zusage bezeichnet Grothe als nicht bindend: "Davon distanzieren wir uns." Köpple bleibt jedoch dabei: "Es gibt eine Kontroverse im Senat, aber wir haben großes Interesse, das Wohnheim in studentischer Regie zu erhalten - wenn sie das bezahlen können."

Vor dem Amtsantritt des rot-grünen Senats hatte das Studentenwerk nach einem Vermietungsstopp alle Mietverträge fristlos gekündigt. Die Kündigungen gelten weiter. Davon sind rund 60 Studenten betroffen, die sich weigern auszuziehen und weiter um "ihr" Dorf kämpfen. "Die ersten Räumungsklagen werden im Dezember verhandelt", sagt Jörg Müller von der Selbstverwaltung des Dorfes, "das ist alles sehr ominös."

"ID & A ist nach wie vor im Rennen", sagt der Stimmann-Mitarbeiter Grothe, "aber wir setzen den Investor unter Druck." Wenn das nichts helfe, könne sich etwas Neues ergeben. Dann würden entweder die Verhandlungen mit den anderen Bietern, darunter auch die AG Studentendorf, wieder aufgenommen oder ein neues Auswahlverfahren beginnen. Normalerweise lege ein Investor seine Finanzierung vor, bevor er den Zuschlag erhalte. Warum es in diesem Fall anders herum war, ist Grothe unbekannt.

Von "Druck" will Ulrich Trautmann von ID & A indes nichts spüren. Es gebe keine ablaufende Frist. "Wir verhandeln weiter", sagt Trautmann. Mehr könne er nicht sagen. Die Frage nach etwaigen Schwierigkeiten bei der Finanzierung ließ Trautmann offen.

Das Hickhack um die denkmalgeschützte, 53 000 Quadratmeter große Anlage aus den 60er Jahren währt nun schon mehrere Jahre. Der frühere Wissenschaftssenator hatte das Dorf für entbehrlich erklärt und zum Verkauf freigegeben, um die Berlinische Galerie auf dem Kreuzberger Schultheiss-Areal zu finanzieren. Der Preis soll, wie der der Berlinischen Galerie, 23,5 Millionen Mark betragen. Diese Summe hatte die Stadtentwicklungsverwaltung vorgestreckt. Am Ende einer langen Diskussion darum, wie viele der 23 Häuser auf dem parkähnlichen Areal erhalten bleiben, stand im April jenes Bieterverfahren, bei dem schließlich das kleine Charlottenburger Immobilienunternehmen ID & A Ende Mai den Zuschlag erhielt für den teilweisen Abriss und den Neubau privater Wohnungen.

Die unterlegenen Bieter, die Immobilienunternehmen Initiata und Bayerische Hausbau AG, hatten das Auswahlverfahren scharf kritisiert, weil der ID & A ein Partner zur Finanzierung fehle. Sogar von "Schiebung" war die Rede. Der Bezirk, die Grünen, Denkmalschützer und Stadtplaner hatten unterdessen immer wieder gegen die Aufhebung des Denkmalschutzes und den Abriss protestiert.

Die Selbstverwaltung des Studentendorfs veranstaltet Ende September ein großes Open-Air-Konzert auf dem Parkplatz des Geländes. Dabei wollen sie ihr Konzept zum Erhalt des sanierungsbedürftigen Dorfes vorstellen.

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