Berlin : Schlachtensee: Studentendorf ist nicht mehr zu retten

Katharina Körting

Die Studenten, die auf dem Gelände an der Wasgenstraße in Zehlendorf wohnen, finden "ihr" Heim ab dem 27. Januar als Angebot in der Zeitungen. Per Anzeige wird für das Studentendorf Schlachtensee ein Käufer gesucht. Der Liegenschaftsfonds, der seit dem 2. Januar die landeseigenen Immobilien zentral verwertet, beteiligt sich an der Vermarktung. "Das Grundstück ist nicht auf unserer Bestückungsliste", präzisiert der Geschäftsführer der "Liegenschaftsfonds Berlin GmbH", Holger Lippmann, weil es sich um Fachvermögen der Senatswissenschaftsverwaltung handle und noch von Studenten bewohnt werde. "Aber die Veräußerung wird von uns, zusammen mit der Senatsfinanzverwaltung, vorbereitet." Der Investor kann auf dem 54 000 Quadratmeter großen Grundstück in lockerer Bebauung Stadtvillen errichten.

Platz für über 1000 Studenten

Das Studentendorf, in dem in 27 Häusern insgesamt 1061 in- und ausländische Studenten Platz finden, steht seit über zwei Jahren zur Disposition. Zunächst sollte es als Tauschobjekt für die Berlinische Galerie in Kreuzberg an die Unternehmen Realprojekt, Veba und Deutsche Bank, die Investoren in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in der Methfesselstraße, gehen. Damals errechneten Gutachter einen Verkehrswert von 23,5 Millionen Mark - genau so viel, wie die in den Wohn- und Gewerbebau integrierte Berlinische Galerie kosten sollte. Doch das Geschäft war geplatzt, nachdem man sich nicht darauf einigen konnte, inwieweit der Denkmalschutz für das 1959 angelegte Ensemble aufgehoben wird, also: wie viele Häuser abgerissen werden dürfen.

Gegen den Abriss hatten außer den Studenten auch Denkmalschützer, Architekten, Stadtplaner, Freie Universität und Politiker protestiert. Die Senatswissenschaftsverwaltung entschied dennoch, sich vom Studentendorf zu trennen: Schätzungen ergaben, dass eine Sanierung der mittlerweile baufälligen Anlage rund 35 Millionen Mark kostet. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat den Denkmalschutz nun fast ganz aufgehoben. Nur fünf Häuser im Kern des Ensembles, das die USA dem Land Berlin als Schenkung übereigneten, müssen als Erinnerung stehen bleiben. "Studentisches Wohnen wird es dort nicht mehr geben", sagt Petra Reetz, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde. Das Studentenwerk verhängte einen Vermietungsstopp und kündigte den Bewohnern zum 28. Februar 2001.

Aber der Investor, der sich für die Immobilie in exzellenter Lage interessiert, erwirbt außer auch einen Haufen widerspenstiger Studenten. "Wir bleiben hier", kündigt Johannes Prüßner von der studentischen Selbstverwaltung des Dorfes an. Die Kündigung der Mietverträge sei wegen eines Formfehlers nicht rechtskräftig. Die zu erwartenden Zivilgerichtsprozesse würden sich in die Länge ziehen. Zudem setzt er seine Hoffnungen auf das Abgeordnetenhaus. Doch: "Die Entscheidung ist gefallen, gegen unsere und die PDS-Stimmen", sagt der bündnisgrüne Abgeordnete Bernhard Weinschütz, der im Wissenschaftsausschuss sitzt. Zwar berate man das Thema in der morgigen Sitzung noch einmal, "aber selbst wenn SPD und CDU im Abgeordnetenhaus ihre Position ändern, handelt es sich dabei nur um eine Meinungsäußerung". Und an die müsse sich die Verwaltung nicht halten.

Noch ist das Gelände nicht verkauft. Laufende Verhandlungen können bis zur Vertragsunterzeichnung gestoppt werden, sagt Klaus Dittko, Sprecher der Senatsfinanzverwaltung. Das letzte Wort habe die Behörde, in deren Fachvermögen sich die Immobilie befindet. Der Einzige, der einen Abriss des Studentendorfes verhindern könnte, ist deshalb der Wissenschaftssenator. Auf einer internationalen Tagung Anfang Januar betonte Christoph Stölzl, dass Berlin sich mit 12,5 Prozent ausländischen Studierenden weit über dem Bundesdurchschnitt befinde - und dass die Stadt dringend mehr Plätze in Studentenwohnheimen brauche. Aber das war allgemein gemeint", sagte eine Stölzl-Sprecherin. Hinsichtlich des Studentendorfes gebe es "keine neue Entwicklung".

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