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Berlin: Schläger vom Dienst: Bewährungsstrafe für Polizisten

Der Polizeimeister verlor vor allem zu Hause des öfteren die Beherrschung. „Er hat mich seelisch und körperlich misshandelt, hat mich erniedrigt“, sagte seine 21-jährige Frau gestern vor Gericht.

Der Polizeimeister verlor vor allem zu Hause des öfteren die Beherrschung. „Er hat mich seelisch und körperlich misshandelt, hat mich erniedrigt“, sagte seine 21-jährige Frau gestern vor Gericht. An einem Abend im Januar 2006, seinem Geburtstag, hätten die Übergriffe begonnen. Weil der Tisch nicht gedeckt war, sei ihr 20 Jahre älterer Ehemann mit bloßen Fäusten auf sie losgegangen. Später soll der Polizist sie mit roher Gewalt bestraft haben, weil sie die Führerschein-Prüfung verpatzte oder Wäsche zu langsam in die Maschine steckte.

Im Dienst ist der 41 Jahre alte Beamte aus Schöneberg schon lange nicht mehr. Seit November 2006 ist Boris Z. suspendiert. Gestern musste er sich wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt und Körperverletzung in sechs Fällen vor Gericht verantworten – und bestritt sämtliche Vorwürfe. Er sei kein Mann, der sich nicht unter Kontrolle habe. Bei der Arbeit in Friedrichshain habe er täglich mit Provokationen, beispielsweise der linken Szene, leben müssen. „Wäre ich aufbrausend, wäre ich nach einer Woche weg gewesen“, sagte der Beamte. Es habe keine Auseinandersetzung mit einer schwangeren Studentin in einem Friedrichshainer Treppenhaus gegeben. Und auch an den Vorwürfen seiner getrennt lebenden Ehefrau, die er als unselbstständig, wenig häuslich und äußerst verschwenderisch beschrieb, sei nichts dran. „Als ich sie fallen ließ, entwickelte sich ihr Hass gegen mich“, sagte er.

Doch die junge Frau konnte die Fälle von häuslicher Gewalt detailliert aufzählen. „Voller Zuversicht bin ich in die Ehe gegangen. Es wurde die Hölle“, sagte sie. Der Staatsanwalt glaubte der Frau, auch das Gericht hatte keine Zweifel. Es verurteilte den Polizisten zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung. Der Polizist wird nun Rechtsmittel einlegen. Schließlich geht es um seine Existenz: Bei einer rechtskräftigen Verurteilung zu mehr als einem Jahr würde er Job und Beamtenstatus verlieren. K. G.

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