Berlin : Schlägerei an der Leistikow-Schule

Streit um Umgang mit jungen Schlägern. 12-Jähriger, der Lehrerin angriff, wird in der Provinz untergebracht

T. Buntrock/S. Vieth-Entus

Wieder gab es Ärger an der Zehlendorfer Leistikow-Hauptschule: Gestern ist ein 16-jähriger Schüler nach einer Prügelei mit acht Mitschülern verletzt worden. Neben den beteiligten Schülern wurde auch der Vater des 16-Jährigen zur Vernehmung von der Polizei mitgenommen, denn er war ebenfalls in die Schlägerei involviert. Er erhielt eine Anzeige wegen Körperverletzung. Die Jugendlichen erwartet ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Vorfall gestern ereignete sich gegen 8.50 Uhr vor der Schule. Der 47-jährige Deutsche war mit seinem Sohn dort erschienen, um ein klärendes Gespräch zu führen: Bereits am Montag war sein Sohn mit einem Mitschüler in Streit geraten. Am Dienstag erkannten Vater und Sohn in einer Gruppe Jugendlicher den Kontrahenten vom Vortag wieder: Der Vater griff den Jugendlichen unvermittelt an, hieß es bei der Polizei. Daraufhin schritt ein Schul-Sozialarbeiter ein und versuchte zu schlichten. Doch die Gruppe von acht Mitschülern folgte dem 16-Jährigen in ein Klassenzimmer, woraufhin der Jugendliche aus dem Fenster sprang. Dann wurde er dann aus der Gruppe heraus mit einem „stumpfen Gegenstand“ am Kopf getroffen. Er erlitt eine Platzwunde, wurde ambulant im Krankenhaus behandelt. Zu den Hintergründen des Streits konnte die Polizei nichts sagen.

Wie berichtet, wird die Leistikow- Schule im Sommer 2007 geschlossen. Es fehlt ihr seit Jahren an Nachfrage. Zudem war sie immer wieder in die Schlagzeilen geraten: Ihr Schüler Sawis J. hatte 2003 in einer anderen Schule fünf Lehrer angegriffen. Auch Ken M., der gestern wegen Mordes verurteilt wurde (siehe oben), war Leistikow-Schüler.

Weiterhin ist unklar, wie Berlin künftig mit gewalttätigen oder kriminellen Schülern umgehen soll, die im normalen Schulalltag nicht mehr integrierbar sind. Bisher werden sie als so genannte Wanderpokale von Schule zu Schule geschickt. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hatte gegenüber dem Tagesspiegel angekündigt, dass man für dieses Klientel spezielle „schulische Einrichtungen“ brauche. Das sei aber erst ein Thema nach den Wahlen, ließ er gestern wissen.

Zumindest für den Schüler der Kreuzberger Lemgo-Schule, der eine Lehrerin niedergeschlagen hatte, ist jetzt erstmal eine Unterbringung gefunden: Wie Volksbildungsstadträtin Sigrid Klebba auf Anfrage bestätigte, kommt er außerhalb von Berlin in eine Einrichtung. Nach Tagesspiegel-Informationen handelt es sich um ein Haus mit „verbindlicher Betreuung“, was heißen soll, dass er durch intensive Zuwendung am Weglaufen gehindert werden soll. Für die Unterbringung fern von Berlin habe man sich entschieden, damit der Junge weit weg ist von seinem „Clan“, wie es aus der Jugendverwaltung hieß. Abteilungsleiter Wolfgang Penkert verteidigte gestern den generellen Verzicht Berlins auf geschlossene Heime: In diesen Häusern richteten die Kinder ihre ganze Energie auf die Frage ’Wie komme ich hier raus’ und entwickelten ein „enormes Aggressionspotential“.

Hinter vorgehaltener Hand kritisierten Fachleute gestern den bisherigen Umgang mit dem 12-Jährigen. Anstatt sich rechtzeitig und intensiv um ihn zu kümmern, habe man ihm seit der zweiten Klasse Verweise erteilt: „Es wurde nur oberflächlich an ihm herumgedoktert und sich dann hinter der mangelnden Kooperationswilligkeit der Eltern versteckt“, hieß es.

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