Berlin : Schlag auf Schlag

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Die Jungs von „Stamping feet“ griffen zu Drums und Schlagzeug, trommelten wirbelnd um leicht verdutzte Ehrengäste herum. Erfrischend ohrenbetäubend tönte das „back to swing“ der Band, elektronisch verstärkt, gestern Vormittag über den Potsdamer Platz und in den Tiergarten hinein.

So laut wurde bislang wohl kein Richtfest in Berlin eröffnet, so laut mussten nie Bauleute miteinander reden, um sich bei der Begrüßung verständlich zu machen. Und zwischendurch zertöpperte die Band auch noch Betonplatten als Karate-Einlage. Aber dafür wurden auch gleich zwei zehnstöckige Bürohäuser im Rohbau fertig, kurz und bündig „Lenné 5 + 7“ genannt. Sie stehen an der Lennéstraße, dem abseits gelegenen Winkel am Tiergartenrand, der 1988 als Lenné-Dreieck hochpolitische Schlagzeilen machte: Als West-Berlin das Grundstück von Ost-Berlin im Gebietsaustausch erwarb, um es dem Grün des Tiergartens angliedern zu können. Das scheint Jahrhunderte zurückzuliegen, und der Blick auf die Kräne des hochwachsenden Beisheim-Centers und auf das fast fertige Hochhaus der Delbrück-Bank zeigen, dass aus dem Lenné-Dreieck nicht Park, sondern City geworden ist. Nur eine kleine Grünfläche garniert das Areal gegenüber dem Sony-Center, sonst türmt sich langsam Büro auf Büro. Die beiden Häuser, die Anfang 2003 fertig sein sollen, werden von den Projektentwicklern Viterra, FERI und Bischoff & Compagnons für die Bayerische Versorgungskammer errichtet. Haus Nummer 5 wurde vom Berliner Büro Collignon Fischötter Architekten entworfen. Schon der luftig wirkende Rohbau verrät, das hier künftig viel Glas verwendet wird. Der Bauherr hatte den Wunsch, ein besonders transparentes Haus zu errichten und das „Grün des Tiergartens einzubeziehen“. Auch Haus Nummer 7, Architekten sind ASP Schweger aus Hamburg, soll Leichtigkeit und Transparenz vermitteln und den Tiergarten „einatmen“.

Es wird vergleichsweise steinern wirken. Aber der Entwurf mit Fenstern bis zum Boden, umrahmt von einer Fassade aus portugiesischem Sandstein, sieht leicht und luftig aus. Beide Häuser, die künftig von einer kleinen Straße getrennt sind (benannt nach der Schriftstellerin Auguste-Hauschner), stehen in einer Reihe von drei weiteren Bürogebäuden, die sich vom Typ ähneln. Der städtebauliche Wettbewerb für den Potsdamer Platz hatte entlang der Lennéstraße einzelne Häuser vorgesehen, als Auflockerungsübung nach der kompakten und hohen Bebauung am Platz. Zunächst waren höhere „Stadtvillen“ im Gespräch. Nun stehen die Solitäre wie an einer Perlenschnur, den Anfang machen aus östlicher Richtung das hoch wachsende Bürohaus „Lenné 3“ und die gestern gefeierten Projekte 5 und 7. Das Haus 9 ist im Bau, und längst fertig ist ein Haus, das nun das letzte Glied in der Kette ist.

Eigentlich müsste das Bürohaus, in dem der Bundesverband öffentlicher Banken sowie der Deutsche Landkreistag sitzen, die Hausnummer 11 haben, aber an der Tür steht die 17. Warum das so ist, weiß keiner so recht bei den Anliegern. Die Nummerierung werde sich vermutlich noch ändern. Es herrscht immer noch etwas Pionierzeit am Potsdamer Platz.Christian van Lessen

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