Schlaganfall im Bus : Busfahrer fuhr trotz Notfall weiter

Eine Frau erleidet im Bus einen Schlaganfall. Doch anstatt zu helfen, ignoriert der Busfahrer den Vorfall und fährt einfach weiter. Das Amtsgericht hat den BVG-Mitarbeiter jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Die Rentnerin schien vital, als sie in den Bus der Linie M27 stieg. Sie setzte sich und putzte noch ihre Brille. Plötzlich aber kippte die 80-jährige Erika H. zur Seite. In den Gang geneigt saß sie und antwortete unverständlich, als der Busfahrer sie zehn Minuten später an der Endhaltestelle ansprach. „Ich hielt sie für verwirrt“, erklärte er am Mittwoch vor dem Amtsgericht. Über die Leitstelle ließ er die Polizei zur nächsten Endhaltestelle rufen. Der 63-jährige Gerd K. machte Pause und fuhr dann noch über eine halbe Stunde mit der Frau, die einen Schlaganfall erlitten hatte, durch die Stadt.

Die Polizisten waren entsetzt, als sie die Frau sahen. „Es war klar, dass da was nicht stimmt“, erinnerte sich einer der Beamten. Sofort alarmierten sie Hilfe und leiteten ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung ein. Gerd K. (Namen geändert) aber ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe reagiert, aus meiner damaligen Sicht war ärztliche Hilfe nicht erforderlich.“ Er habe schon erlebt, dass Ältere nicht aussteigen und nicht mit ihm reden wollen. „Dann kommt die Polizei und sie gehen mit.“ Auch Erika H. habe er für eine „hilflose Person“ gehalten.

Wollte oder konnte er den Notfall nicht erkennen? Auch zwei Sicherheitsleute waren auf die Rentnerin aufmerksam geworden. Sie schien mit der linken Hand zu wedeln. „Ich sprach sie an, es kam nur ein Brummeln“, sagte eine Zeugin. Ihr Kollege erklärte: „Ich wollte eigentlich, dass gleich etwas passiert.“ K. aber beschwichtigte und wies darauf hin, dass die Polizei bereits verständigt sei.

Um 18.24 Uhr war Erika H. eingestiegen. Um 19.44 Uhr riefen Polizeibeamte die Feuerwehr. Die Rentnerin hatte einen „außergewöhnlich großen Schlaganfall erlitten“, sagte ein Arzt. Sie starb im Krankenhaus. Ob sie bei früherer Hilfe hätte gerettet werden können, ist offen. Für den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung aber spielt das keine Rolle. „Er hat erkannt, dass der Frau etwas fehlte“, stand für die Staatsanwältin fest. Nur einmal sei er an Erika H. herangetreten, dann einfach weitergefahren. „Es war ihm offenbar egal.“

Die Rentnerin durchlitt ein Martyrium. „Sie gibt Zeichen, nichts passiert“, sagte die Anklägerin. Die Video-Überwachung aus dem Bus belegt: Sie sackte immer mehr zusammen – ohne Anteilnahme zu erhalten. K. schaltete während seiner Pause sogar das Licht aus und entspannte. Sein Verhalten sei nicht nur moralisch dramatisch, sondern auch strafbar gewesen, urteilte die Richterin. Dass er die Polizei rufen ließ, sei keine Hilfe gewesen. „Es ging eigentlich darum, sich der Dame zu entledigen.“ Dafür muss der Busfahrer jetzt 4800 Euro (120 Tagessätze zu je 40 Euro) Strafe zahlen. K.G.

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