Berlin : Schlagende Argumente

Rechtsextreme zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt

Kerstin Gehrke

Drei Zeugen hatten die beiden mutmaßlichen Neonazis belastet. Sie könnten sich geirrt haben, argumentierte dennoch einer der Verteidiger. Für das Gericht aber bestanden keine Zweifel: Sebastian Z. (20) und Sebastian G. (23) hätten aus einer Gruppe von 15 „eher rechtsgerichteten“ jungen Leuten mehrere Flugblattverteiler der linken Szene angegriffen. Die beiden Bauhelfer wurden des schweren Landfriedensbruchs sowie der Körperverletzung schuldig gesprochen. Z. soll in seiner Freizeit 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, G. 60 Stunden.

Der Überfall im November 2005 ging auf politische Gegnerschaft zurück. Die Attackierten verteilten damals in Lichtenberg Infomaterial für eine Gedenkdemonstration zum Tod des 1992 von Rechtsextremisten erstochenen Punks Silvio Meier. Unter Sprüchen wie „Verpisst euch, ihr Zecken!“ sollen die zum Teil vermummten Angreifer auf die Flugblattverteiler losgegangen sein. Erst flogen Flaschen, dann soll Z. auf einen 30-Jährigen eingeprügelt haben.

Sebastian Z., der als Mitglied der rechten Szene gilt, hatte die Vorwürfe bestritten, G. hatte hingegen vor Gericht geschwiegen. Z. beklagte, dass ihn Antifa-Leute regelrecht verfolgen würden. Sie hätten Flugblätter mit falschen Behauptungen verteilt. Aus Sicht des Staatsanwalts war der Angriff auf die Linken in Lichtenberg ein Racheakt. Z. habe sich durch die linke Szene als Neonazi-Größe angeprangert gesehen, hieß es in seinem Plädoyer. Kerstin Gehrke

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