Berlin : Schlager der Woche

Dussmann erweitert Angebot und verkürzt Öffnung Musikalienhandlung Riedel kämpft weiter

Cay Dobberke

Während die Musikalienhandlung Riedel noch ums Überleben kämpft, baut ein Mitbewerber sein Geschäft aus: Gestern eröffnete das Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße seine vergrößerte Abteilung „Noten & Musikbuch“. In den Räumen eines ehemaligen Kosmetikladens nahe der Dorotheenstraße stehen mehr als 230 Quadratmeter in zwei Etagen zur Verfügung, bisher waren es 55.

Darüber hinaus ändert Dussmann bald seine Öffnungszeiten, wie Sprecherin Bianca Krömer ankündigte. Nach dem Inkrafttreten des neuen Ladenöffnungsgesetzes hatte das Kulturkaufhaus seine Verkaufszeit stark ausgeweitet (montags bis donnerstags bis 2 Uhr, freitags rund um die Uhr und sonnabends bis 24 Uhr). „Damit haben wir ein Signal gesetzt“, so die Sprecherin. Von Februar bis September wird werktags nur noch bis 24 Uhr geöffnet, denn diese Monate bringen üblicherweise geringere Umsätze. Im Weihnachtsgeschäft will das Kulturkaufhaus die Kunden aber wieder länger bedienen: Von Oktober bis Dezember ist werktags bis 2 Uhr geöffnet. Auch die verkaufsoffenen Sonntage sollen genutzt werden.

Die neue Abteilung biete „einen reformierten Ansatz im Musikalienhandel“, sagt Dussmanns Hauptabteilungsleiterin für CD-Klassik und Noten, Julia Claren. Einen Schwerpunkt bilde die Jugendecke, in der Instrumente ausprobiert werden können. Dussmann wolle Kinder an Musik heranführen und so „in den Bildungsauftrag investieren“. Natürlich zählen auch erfahrene Klassikfreunde und Profimusiker zur Zielgruppe. Deshalb sind die zwölf Mitarbeiter alle Musikwissenschaftler oder gelernte Musikalienhändler – darunter frühere Angestellte der Musikalienhandlung Riedel, die ihren alten Job bei der Schließung der Riedel-Filiale am Gendarmenmarkt in Mitte oder später durch die Insolvenz verloren hatten.

Für das 97 Jahre alte Riedel-Stammhaus in der Uhlandstraße sieht Insolvenzverwalter Knut Rebholz unterdessen neue Chancen. „Es gibt Hoffnung, wir wollen einen Finanzplan für 2007 erstellen.“ Er habe die Kündigung der Mitarbeiter zum Februar zurückgenommen und die Verträge bis Mitte März verlängert. Denn nach dem Bekanntwerden der Insolvenz durch einen Tagesspiegel-Bericht hatte der Unternehmer Hans Wall für 100 000 Euro eine Gesamtwerksausgabe bedeutender Komponisten gekauft, um den traditionsreichen Familienbetrieb zu retten. Auch zwei Kaufinteressenten für das ganze Geschäft meldeten sich, und für Februar plant das Berliner Kammerorchester ein Benefizkonzert. Wie viel Geld Riedel jetzt noch benötigt, konnte der Insolvenzverwalter gestern nicht sagen. Firmenchef Hans-Wolfgang Riedel schätzt die Summe auf bis zu 50 000 Euro.

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