Schlagersänger Roland Kaiser : Der Junge aus Wedding - und sein Berlin-Traum

Seine Auftritte im der ZDF-Hitparade in den 1970er-Jahren sind legendär. Jetzt feiert Schlagersänger Roland Kaiser seinen 65. Geburtstag - und will sich in Berlin einen Traum erfüllen

Berliner Junge: Roland Kaiser.
Berliner Junge: Roland Kaiser.Foto: dpa

Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten, Ehrenmedaille der Stadt Dresden und Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen - Schlagersänger Roland Kaiser („Santa Maria“) machte in den vergangenen Jahren mit vielen Ehrungen Schlagzeilen. Seitdem er sich in Dresden öffentlich gegen Pegida-Demonstranten ausgesprochen hat, sehen ihn viele als Schlagersänger mit Rückgrat. Am 10. Mai wird er 65 Jahre alt.

Seine Pflegemutter putzte die SPD-Zentrale

Der bekennende Sozialdemokrat mit dem bürgerlichen Namen Roland Keiler wurde am 10. Mai 1952 in Berlin geboren. Er wuchs im tiefroten Berliner Stadtteil Wedding auf. Seine Pflegemutter putzte in der damaligen SPD-Zentrale, seine leiblichen Eltern lernte er nie kennen.

Lehre im Autohaus

In einem Autohaus leitete der Berliner nach einer kaufmännischen Lehre die Werbeabteilung. Mit dem Titel „Sieben Fässer Wein“ landete er 1977 seinen ersten Top-10-Hit. Aus dem Hobby Singen machte er dann den Beruf. Für Peter Maffay, Milva und andere Künstler schrieb er Texte. Heute sind es mehr als 500. Weit über 90 Millionen Tonträger verkaufte er in seiner Karriere. In Zeiten von Streamingdiensten und Musik-Downloads aber zählen heute andere Dinge in der Branche.

„Mir ist es wichtig, der Gesellschaft im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas zurückzugeben, denn die Gesellschaft hat mich auf die Sonnenseite des Lebens gestellt“, sagt Kaiser zu den Ehrungen. Und diese Auszeichnungen nehme er ja auch immer stellvertretend für die vielen anderen Menschen entgegen, die sich ehrenamtlich in den Projekten engagieren.

Kritik an Pegida

Kaiser setzt sich seit vielen Jahren für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Zugleich engagiert er sich für die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Dieser Einsatz hat einen persönlichen Hintergrund. Wegen einer unheilbaren Lungenerkrankung musste er 2010 eine Bühnen-Pause einlegen. Nach einer Lungentransplantation kam er zurück. Wobei Kaiser strikt trennt. Politische Äußerungen gibt es von ihm nicht auf der Bühne. „Meine Aufgabe ist es, das Publikum als Entertainer zu begeistern. Das vermische ich nicht.“

2015 hat er bei einer Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz vor der Dresdner Frauenkirche Kritik an den Pegida-Demonstranten geäußert. Angst vor einer negativen Reaktion der eigenen Fans hat der Sänger nicht. „Wenn ich Leute verliere, weil ich mich entsprechend geäußert habe, dann habe ich nicht die falschen Leute verloren“, sagte Kaiser anschließend im Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung.

"Warum hast du nicht nein gesagt?"

Ein Duett mit Maite Kelly („Warum hast du nicht nein gesagt?“) haben die Fans bei Youtube über 40 Millionen Mal angeklickt. „Das Internet und die sozialen Medien erleichtern mir natürlich auch die Arbeit. Über die sozialen Medien lassen sich schnell Neuigkeiten verbreiten, was auch der Vermarktung hilft“, sagt Kaiser. Und über das Internet könne er sich mit anderen auf einfache Weise austauschen, „obwohl wir an verschiedenen Orten sitzen, Dinge ansehen oder anhören und zurückschicken, ohne erst lange - wie früher - Bänder hin- und herschicken zu müssen.“ Das erleichtere die Arbeit.

Die negativen Seiten, wie Hasskommentare bei Facebook, ignoriert Kaiser nach eigener Aussage. Die lese er schlicht nicht. Seine breite Fan-Basis baute sich Kaiser vor allem durch seine 67 Auftritte in der ZDF-Hitparade auf. Meist im Anzug und offenen Hemd sang der Meister der schwülen Erotik zur besten Vorabendzeit familientauglich über das Thema Frauen und sexuelle Fantasien. Dabei waren die Songtexte und Titel wie „Joana, geboren um Liebe zu geben / Verbotene Träume erleben“ oder „Manchmal möchte ich schon mit Dir“ elegant verpackt.

Sein Traum für 2018 - "ein Konzert in der Waldbühne"

Neben dem Schlagerleben war Kaiser aber immer noch in anderen Bereichen produktiv. Was nur wenige wissen: Er produzierte auch einige Fernsehsendungen, darunter das erfolgreiche Comedy-Format „RTL Samstag Nacht“. Kultstatus hat auch sein Auftritt als Schlagerstar Roman König im Münster-„Tatort“ (2013, „Summ, Summ, Summ“).

Kurz vor seinem Geburtstag standen zur Eröffnung des neuen Kulturpalastes in Dresden Konzerte mit den Philharmonikern auf dem Programm. Apropos Dresden: Der gebürtige Berliner sorgt mit seinen Sommerkonzerten am Elbufer im August regelmäßig für eine „Kaisermania“, zu der alljährlich Fans nicht nur aus Deutschland anreisen. Er ist der Elbestadt seit dem ersten Besuch 1990 eng verbunden, spendete 2013 seine Gage für Flutopfer und -helfer und machte der Stadt mit seinem Titel „Affäre“ eine Liebeserklärung.

Kaiser, der in Münster, der Heimatstadt seiner Frau, lebt („unsere Kinder sind hier groß geworden“) und im Urlaub auf Sylt abschaltet, will sich 2018 einen Wunsch erfüllen: Ein Konzert in der legendären Berliner Waldbühne. „Dann wird ein großer Traum von mir in Erfüllung gehen.“ dpa

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar