Schlagersänger : Trauerfeier für Drafi Deutscher

In Berlin haben sich Kollegen und Fans von dem vor zwei Wochen gestorbenen Schlagersänger Drafi Deutscher verabschiedet. Sie konnten dem Künstler bei einer öffentlichen Aufbahrung die letzte Ehre erweisen.

Berlin - Am Ende konnten sich Fans von Drafi Deutscher so von dem Schlagersänger verabschieden, wie sie ihn gekannt und geliebt haben. Einige Hundert zogen am Freitagvormittag am offenen Sarg in der Kapelle des Parkfriedhofs Berlin-Lichterfelde vorbei und erwiesen dem Künstler die letzte Ehre. "Er sieht aus, als ob er schlafen würde", sagte Bernhard Brink über seinen vor zwei Wochen gestorbenen Kollegen, der mit seinem charakteristischen Hut aufgebahrt worden war. Der Abschied von Angesicht zu Angesicht wäre auch im Sinne Deutschers gewesen, erklärte dessen Vertrauter und Manager Gebhard Rothermich: "Das waren wir seinen Fans und Freunden schuldig."

Überhaupt wurden die Anhänger des Sängers ("Marmor, Stein und Eisen bricht") und Komponisten ("Jenseits von Eden"), der einen Monat nach seinem 60. Geburtstag an einem Herz-Kreislauf-Versagen gestorben war, stets mit in die Beerdigung einbezogen. Zwar waren zu der Trauerfeier selbst nur die Familie und Kollegen wie Brink und Michael Holm zugelassen. Die von Liedern des Verstorbenen begleitete Zeremonie wurde aber per Lautsprecher auf den Vorplatz übertragen, wo Fans aus ganz Deutschland die Trauer um den Sänger teilten. "Er hat meine ganze Jugend beeinflusst", erzählte die 53-jährige Sylvia Seidl. Und ihre Freundin Renate Bölk (58) berichtete, wie sie bei Deutschers erstem Hit "Teeny" ihre erste große Liebe kennen gelernt hatte: "Das waren die Goldenen 60er, das gibt's nicht wieder."

Nicht die Kunst, sondern das Herz habe die Trauernden zusammen geführt, sagte Pfarrer Thomas Lübke in der Kapelle, wo der schlichte, bernsteinfarbene Holzsarg von zahlreichen Kränzen umringt war. "Letzte Grüße" hatten unter anderem die Kollegen Heino, G. G. Anderson und Chris Andrews geschickt. "Wir werden dich nie vergessen" hatte Moderator Dieter Thomas Heck geschrieben. Kritischer fiel Brinks Spruch aus: "Es war nicht immer einfach mit Dir, aber trotzdem waren wir Freunde."

Sein Vater habe mit seiner direkten Art viele Menschen verunsichert, gab Deutschers Sohn Drafi junior (40) während der Trauerfeier zu. "Über Nacht" sei das Berliner Arbeiterkind zum Idol und auch zum Rebellen geworden und habe dafür einen Preis zahlen müssen. "Manchmal hatten wir einen vollen und manchmal einen leeren Kühlschrank", erzählte er. Sein Vater habe aber stets gesagt: "Ich bereue nichts, was ich getan habe." Gerade in den vergangenen Jahren sei der Vater ruhiger und gelassener geworden, fügte Zwillingsbruder René hinzu.

Angesichts des "völlig unerwarteten" Todes ihres Vaters fand Tochter Michaela (40) auch einen Funken Dankbarkeit in ihrer Trauer. "Ich will einen schnellen Abgang. Ich werde nie ein Pflegefall", habe ihr Vater immer wieder gesagt. Sie habe keinen Menschen gekannt, dem der eigene Wille so wichtig gewesen wäre. "Er hätte sich nie vorschreiben lassen, wie viel er rauchen und trinken durfte", erinnerte sie sich während der Trauerfeier. An ihr nahmen auch Deutschers 84-jährige Mutter Margarete Lehmann, sein Bruder Klaus-Dieter und seine erste Frau Karin teil. Deutschers Ex-Frau Isabel Varell war nicht erschienen.

Trotz aller im Laufe seines Lebens ausgefochtenen Kämpfe hat Deutscher die Welt offenbar leichten Herzens verlassen. "Ich habe mein Leben in vollen Zügen genossen. Ich bin bereit, wenn Gott mich ruft, zu gehen", habe der Freund ihm gesagt, erzählte der Manager Rothermich. Er war am 9. Juni in der Uniklinik in Frankfurt am Main, als Deutscher nach einem schweren Kreislaufzusammenbruch und einem Herzinfarkt "friedlich eingeschlafen" war.

Bevor Deutscher ganz in der Nähe seiner Großmutter Elise in seiner Heimatstadt zur letzten Ruhe gebettet wurde, erklang gegen Ende der Trauerfeier sein Lied "Amen". Das Stück hatte er auch zum Abschluss seines letzten Konzerts am 13. Mai in Obrigheim in Rheinland-Pfalz gespielt. "Drafi hat es mit voller Inbrunst gesungen", erzählte Rothermich. So wie es eben seine Art gewesen sei. (Von Nina Jerzy, ddp)

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