Berlin : Schlecht fürs Image, gut für den Tiergarten

Die Love Parade ist endgültig abgesagt: In Politik und Wirtschaft bedauert man das, glaubt aber nicht an Einnahmeverluste für Berlin

Marc Neller

Die Love Parade fällt aus, endgültig. Das Geld fehlt, nachdem sich Großsponsoren zurückgezogen haben. Das haben die Veranstalter nach wochenlangem Hin und Her mitgeteilt – und das Bedauern darüber hält sich in Grenzen. Firmen und Landespolitiker fürchten vor allem, die Stadt könnte einen guten Werbeträger verloren haben. Kaum einer aber glaubt, dass ohne Love Parade im Sommer die Kurzbesucher ausbleiben.

„Sehr schade“, kommentierte Senatssprecher Michael Donnermeyer die Absage. Der Sprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS), Christoph Lang, kritisierte die Veranstalter: Die Love Parade GmbH hätte „die Sache professioneller weiterentwickeln müssen.“ Die Veranstalter kündigten an, mit dem Senat eine gemeinsame Lösung zu suchen, wie die Parade 2006 mit einem neuen Konzept wiederzubeleben sei.

Die Umweltpolitikerin Claudia Hämmerling (Grüne) sagte, sie sehe die Absage „mit gemischten Gefühlen“. Es gebe nun eine populäre Veranstaltung weniger. „Andererseits war die Love Parade mit ihrem bisherigen Konzept längst tot. Und: Dem Tiergarten tut diese Absage mit Sicherheit sehr gut.“

Dass der Ausfall Berliner Firmen in Schwierigkeiten bringen könnte, denen die Love Parade bisher willkommene Einnahmen bescherte, glaubt kaum jemand. Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte: Der Anteil der Techno-Parade an der Berliner Wirtschaftsleistung liege selbst bei angenommenen 250 000 auswärtigen Besuchern „unter 0,1 Prozent.“ Brenke bezweifelt, dass die Love Parade jemals 50 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen nach Berlin gebracht hätte, wie es das Marktforschungsinstitut FfH nach der Parade im Jahr 2000 errechnet hatte. „Von den Zugereisten haben viele nicht in Hotels übernachtet, sondern im Tiergarten.Oder sie haben Nächte in Clubs durchgemacht. Oder sie haben die Nächte in Clubs durchgetanzt.“ Der Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes, Willy Weiland, sagte: „Sicher war die Love Parade für viele Gastronomen einmal ein lukratives Geschäft.“ Doch spätestens nach dem Ausfall des Umzuges im Vorjahr hätten sich Gastwirte „darauf eingestellt, dass sie nicht mehr unbedingt mit dem großen Zusatzgeschäft planen können“.

Schwerer als die entgangenen Einnahmen wiege wohl, „dass ein Event mit einer international großen Außenwirkung wegfällt“, sagte Bahnsprecher Holger Auferkamp. Aus Imagegründen sei das Aus sehr bedauerlich. „Wirtschaftlich können wir den Ausfall aber gut verkraften.“

Auch Billigfluglinien vermelden keine Stornierungen. „Allerdings“, sagt Air Berlin-Sprecherin Angelika Schaff, „hatten wir auffallend wenig Frühbuchungen, die man auf die Love Parade hätte zurückführen können.“ Gerade Engländer, sonst am Love-Parade-Wochenende gute Kunden, hätten sich zurückgehalten. Ob es, wie im vergangenen Jahr, eine Ersatz-Veranstaltung geben wird, ist noch unklar (s. unten). Laut Polizei gibt es bisher keine Anmeldung.

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