Berlin : Schlechte Botschaft für die Straßenkicker

Teams aus Nigeria und Ghana können an Kreuzberger Turnier nicht teilnehmen, weil die Spieler keine Einreiseerlaubnis bekamen

Sabine Beikler[Ariane Bemmer],Dagmar Dehmer

Ende Mai waren es Tänzer aus Ghana, die kein Visum bekamen und deshalb nicht zum Kulturfest nach Brandenburg fahren konnten, jetzt sind es die Straßenfußballteams aus Nigeria und Ghana, die wegen fehlender Visa der Straßenfußball-Weltmeisterschaft fernbleiben müssen, die am Sonntag in Kreuzberg beginnt. Grund sind jedesmal Zweifel, ob die Afrikaner in ihre Heimatländer zurückkehren. Doch nun mehrt sich Kritik an den deutschen Botschaften in den afrikanischen Ländern.

Die frühere grüne Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer kann über die Entscheidungen „nur den Kopf schütteln“. Sie hat vor bald sechs Jahren das Straßenfußballprojekt ins Rollen gebracht und ist schwer enttäuscht. „Die Ablehnung der Visa für die Teams aus Lagos und Accra ist genau die falsche Botschaft“, sagte sie dem Tagesspiegel. Aus ihrer Sicht sind diese Projekte „gerade ein Grund, im Land zu bleiben“. Vollmer hält es für fatal, die erfolgreichen Projekte auf diese Weise zu isolieren. In Ghana habe das Projekt „Play Soccer“ ein ganzes Jahr mit der Botschaft in Kontakt gestanden, um das Team tatsächlich nach Deutschland schicken zu können. Auch ihre und die Intervention anderer prominenter Unterstützer der „Streetfootballworld“, hätten nichts gebracht. Offenbar auch nicht das Angebot Vollmers und der Veranstalter, für die Jugendlichen zu bürgen. Auch im Landkreis Spree-Neiße hat man interveniert, Bürgschaften und Kostenübernahmeerklärungen angeboten. Genutzt hat auch das nicht. Als Konsequenz werde man zur nächsten „Folklorelawine“ wohl keine Gruppen aus Afrika einplanen. „Am Ende steht man sonst ohne Programm da“, sagte Jana Handrischek.

Für Berlins Migrationsbeauftragen Günther Piening liegen der strengen Visapolitik, die er als „Nebenwirkung“ der Affäre in der ukrainischen Botschaft bezeichnet, „generelle Verdachtsmomente“ zugrunde, die seiner Meinung nach durch nichts belegt sind. Dass sowohl beim Kulturfest als auch beim Straßenfußballturnier in Kreuzberg Teilnehmer fehlen, hinterlasse auf den Festivals einen „Schönheitsfleck“. Volker Ratzmann, Fraktionschef der Grünen im Abgeordnetenhaus, nannte die Entscheidungen „piefig und kleinlich“: Wenn man internationale Veranstaltungen plane, müsse man auch mit ausländischen Teilnehmern rechnen. Ob Visa erteilt werden oder nicht, entscheiden die deutschen Botschaften im Ausland. Die Botschaft im ghanaischen Accra hat dabei den Ruf, besonders restriktiv vorzugehen. Die Organisatoren des Straßenfußballturniers wollen sich nicht generell beklagen: Von 13 Mannschaften aus visapflichtigen Ländern könnten elf kommen. Darunter auch ein „Friedensteam“ aus Ruanda, in dem Hutu und Tutsi gemeinsam spielen. Der Verwaltungsrichter Percy MacLean, ehemals Leiter des Instituts für Menschenrechte, fordert das Auswärtige Amt auf, sich dafür einzusetzen, dass die Maßstäbe, die Botschaften für die Visavergabe ansetzen, vergleichbar bleiben.

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