Berlin : Schlechte Karten für Hekticket-Kiosk am Alex

Cay Dobberke

Drei Mal musste der „Hekticket“-Kiosk am Alexanderplatz seinen Standort seit 1991 schon wechseln, weil er Bauarbeiten im Wege stand. Nun ist es wieder soweit: Die auf Last-Minute-Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen spezialisierte Firma sollte ihren momentanen Kiosk an der Karl-Liebknecht-Straße 12 bis vorigen Donnerstag wegen eines Hotelprojekts räumen. Aber ein Ersatzstandort ist nicht in Sicht. Hekticket-Gründer Andreas Richter beantragte deshalb eine einstweilige Verfügung gegen das Bezirksamt. Dies hat dem Kiosk zumindest eine Gnadenfrist verschafft: Bis zur Gerichtsentscheidung werde die Räumung ausgesetzt, sagte Straßen- und Grünflächenamtsleiter Harald Büttner gestern.

Richter sieht nicht ein, warum seine Ticketkasse jetzt schon weichen soll. Nach seiner Kenntnis verzögert sich der Bau des geplanten „Hotel am Alex“ mit 270 Zimmern. Wann die Arbeiten beginnen, war vom Würzburger Investor Hilpert AG nicht zu erfahren. Laut Büttner kommt es darauf aber auch gar nicht an. „Der Liegenschaftsfonds hat das Grundstück verkauft.“ Es müsse geräumt übergeben werden, sonst könne der Bauherr Schadensersatz verlangen.

Der Amtsleiter betont, er gehe „nüchtern“ mit dem Problem um, während Richter sich schlecht behandelt fühlt. Schon bei den früheren Umzügen hatte er mitunter Zweifel, ob diese wirklich nötig waren. Rund um den Alex hat er nun aber Ersatzstandorte im Blick, zum Beispiel vor dem Cubix-Kino oder in der Rathausstraße. Doch das Bezirksamt hat die Kioske am Alex schon vor Jahren als störend eingestuft und will sie dort nach und nach verschwinden lassen. Im Bahnhof Friedrichstraße etwa gebe es geeignete Flächen. Die Ticketagentur habe sich zu spät um einen Ersatzstandort gekümmert.

Unterstützung bekommt Hekticket von Kultur-Staatssekretär André Schmitz. Nach Tagesspiegel-Informationen betont er in einem Brief an Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) das „besondere öffentliche Interesse“ und bittet darum, einen zentralen Ersatzstandort anzubieten. Hekticket sei eine „öffentliche Interessenvertretung von Künstlern und Berliner Kultureinrichtungen“. Vom Verkauf der Last-Minute-Tickets zum halben Preis profitierten nicht zuletzt die vom Land Berlin finanzierten Bühnen.

„In anderen Metropolen sind solche Einrichtungen selbstverständlich“, sagt Firmenchef Richter. Er betreibt auch ein Ticketbüro nahe dem Bahnhof Zoo sowie das Internetportal www.hekticket.de. Dennoch sei ein Standort am Alexanderplatz unverzichtbar, um den Betrieb in der jetzigen Form mit 25 Mitarbeitern fortzuführen. An seinem Kiosk hat er jetzt auch eine Unterschriftensammlung gestartet. Cay Dobberke

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