Berlin : Schlechte Noten für Jobcenter in Neukölln und Spandau

Sigrid Kneist

Die Jobcenter in Neukölln und Spandau haben bundesweit die geringsten Erfolge, Bezieher von Arbeitslosengeld II wieder in den regulären Arbeitsmarkt zu integrieren. Nach einer gestern veröffentlichten Studie der Bundesagentur für Arbeit wurden dort jeden Monat lediglich 2,2 Prozent der Hilfeempfänger in einen sozialversicherungspflichtigen Job vermittelt. Einen derart niedrigen Vermittlungswert gab es sonst nur noch in der Ruhrgebietsstadt Essen. Bundesweit lag die Quote bei 3,4 Prozent. Der Chef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, zeigte sich unzufrieden mit dem Gesamtergebnis; die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen sei noch nicht gut, sagte Weise.

In Berlin beziehen rund 435 000 erwerbsfähige Personen Arbeitslosengeld II, dazu gehören Langzeitarbeitslose ebenso wie Menschen, die aus verschiedenen Gründen – etwa wegen der Erziehung von Kleinkindern – dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Auch Beschäftigte, deren Einkommen nicht ausreicht und aufgestockt wird, zählen dazu.

Die besten Vermittlungsergebnisse in Berlin erzielten nach der Studie die Jobcenter in Pankow (3,2 Prozent) , Lichtenberg und Treptow-Köpenick (jeweils 3,1 Prozent). Nur wenig besser als die Schlusslichter Spandau und Neukölln schnitt die Behörde in Charlottenburg-Wilmersdorf (2,3 Prozent) ab. In Neukölln liegt die Arbeitslosenquote bei 20,3 Prozent und damit deutlich über dem Berliner Durchschnitt von 14,1 Prozent. In Spandau sind 13,8 Prozent Arbeitslose gemeldet.

Für Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) kommt das Ergebnis nicht unerwartet. Er verweist auf die schwierige Sozialstruktur. In Neukölln lebten viele Großfamilien, die durch die Leistungen nach Hartz IV mehr Geld erhielten als über ein Arbeitseinkommen möglich wäre. Auch verfügen laut Buschkowsky zu wenige Arbeitslose über nötige Qualifikationen. Die Arbeitslosenquote in Spandau ist zwar niedriger, aber der Sprecher der Regionaldirektion für Arbeit, Olaf Möller, verweist auch dort auf die problematische Sozialstruktur.

Die Senatssozialverwaltung will die Ergebnisse der Studie jetzt auswerten. „Auf jeden Fall zeigt es, dass die Arbeit der Jobcenter optimierungsfähig ist“, sagt Katina Schubert, persönliche Referentin von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). Sigrid Kneist

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