Berlin : Schlechte Werbung für Moabit

Quartiersmanagment unter Verdacht der Mauschelei

Britta Weddeling

Das Ghetto-Image von Moabit aufwerten wollte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, als sie Anfang des Jahres aus den Fördermitteln der „Sozialen Stadt“ dem Quartiersmanagement Moabit- West 10 000 Euro zusprach, um einen Drehbuchwettbewerb für einen einminütigen Imagespot zu finanzieren. Doch das für die Ausrichtung des Wettbewerbs zuständige Institut 21 in Moabit vergab den ersten Preis in Höhe von 2000 Euro an seinen eigenen Mitarbeiter Markus Klopsch. Der hatte unter dem Pseudonym „Rod Marsden“ den Beitrag „Moabit – Deine Insel“ eingereicht. In dem Skript steigt ein junges Paar in ein Taxi und wünscht sich vom Fahrer „Weg hier!“, aus „diesem glatten, unpersönlichen Kiez“ – und hin nach Moabit. Das Taxi, ein Amphibienfahrzeug, setzt die zwei dann auf die „Insel“ Moabit über, wo auch das Wetter natürlich viel schöner ist.

Die Jury will nicht gewusst haben, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, das Klopsch schon sieben Jahre benutzt. Für das Institut 21 arbeitet der Medienpädagoge seit 2005. Die Kultureinrichtung produziert Filme aus Moabit. Sie wird getragen durch den Verein Frecher Spatz und das Quartiersmanagement Moabit- West. Dort räumt man jetzt „formale Fehler“ ein. Das Institut 21 hingegen beruft sich darauf, dass der Wettbewerb „formaljuristisch korrekt“ verlaufen sei. „Nirgendwo stand, dass ein Institutsmitarbeiter nicht teilnehmen darf“, sagt der künstlerischer Leiter des Instituts, Rolf Teigler. Doch auch er gibt zu, dass „einiges schiefgelaufen ist“.

Nachdem die Jury das Drehbuch von „Rod Marsden“ alias Klopsch unter 49 eingereichten Skripts zum Siegerbeitrag gekürt hatte, teilte Klopsch seinem Vorgesetzten mit, dass der Spot von ihm selbst stamme. Er habe sich unter Pseudonym beteiligt, um seine „Identität zu schützen“, sagt Klopsch. Doch weder das Quartiersmanagement, das in der Jury vertreten war, noch das Institut 21 zogen die Entscheidung zurück. So übergab Teigler seinem Mitarbeiter Klopsch bei der Preisverleihung den 2000-Euro- Scheck.

Dann aber erfuhr die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von der Sache. Philipp Mühlberg, der dort für das Programm „Soziale Stadt“ zuständige Referatsleiter, spricht von einem „herben Schlag“ für das ohnehin schon schlechte Image von Moabit. „Dieses Ergebnis ist nicht akzeptabel“, sagt Mühlberg.

Möglicherweise muss der Wettbewerb nun wiederholt werden. Und ob die Senatsverwaltung tatsächlich wie geplant die Produktion des Imagespots mit 20 000 Euro finanzieren wird, ist nun ebenfalls unklar. Britta Weddeling

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