Schlechte Zahlen für Berlin : Henkel schweigt zur Kriminalstatistik

Der Innensenator will die schlechte Kriminalstatistik Berlins noch nicht kommentieren. Die Opposition bringt sich schon in Stellung. Denn Henkel hatte große Ankündigungen gemacht.

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Frank Henkel will sich erst am Montag zur Kriminalstatistik äußern.
Frank Henkel will sich erst am Montag zur Kriminalstatistik äußern.Foto: dpa

Die Innenverwaltung hat jeden Kommentar zur neuen Kriminalstatistik abgelehnt. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeipräsident Klaus Kandt werden die Zahlen erst am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses vorstellen. Bis dahin sei die Statistik noch vertraulich, hieß es. Wie in den Vorjahren ist das polizeiliche Zahlenwerk jedoch schon vor der offiziellen Verkündung durchgesickert. Wie berichtet, ist die Kriminalität bei vielen Delikten angestiegen – und zwar vor allem bei den Taten, von denen die Menschen direkt betroffen sein können und vor denen viele deswegen Angst haben: Wohnungseinbrüche, Raubüberfälle, Körperverletzungen und Taschendiebstähle. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten nur minimal gestiegen, allerdings ist die Aufklärungsquote mit 44,7 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 1997 gesunken.

Die Zahl der erfassten Schwarzfahrer nahm in 2012 gegenüber 2011 ab. Vor allem die Anzahl der Diebstähle nahm aber zu.
Die Zahl der erfassten Schwarzfahrer nahm in 2012 gegenüber 2011 ab. Vor allem die Anzahl der Diebstähle nahm aber zu.Grafik: Tsp/Bartel

Die Opposition ist gespannt, wie Henkel die Zahlen rechtfertigen will. Pirat Christopher Lauer sagte, dass es gerade beim Delikt Wohnungseinbruch, bei dem Henkel im vergangenen Jahr große Ankündigungen gemacht habe, erneut einen starken Anstieg gibt. „Ich bin gespannt, wie Henkel das begründen will“, sagte Lauer. „Seine Bemühungen haben offensichtlich nicht gefruchtet.“ Die Statistik, die dem Tagesspiegel seit Donnerstag vorliegt, gibt bei Einbruch einen Anstieg von 12 Prozent an; im Vorjahr waren es bereits plus 26 Prozent gewesen. Es sei Henkels Problem, dass er sich in der Opposition als „Law-und-Order-Politiker“ aufgeführt habe, sagte Lauer. Ähnlich äußerte sich der grüne Innenexperte Benedikt Lux.

Henkel hatte während der rot-roten Koalition Berlin häufig als Hauptstadt des Verbrechens bezeichnet. Selbst als 2008 Vorgänger Ehrhart Körting (SPD) die niedrigste Zahl von Straftaten seit der Wende verkünden konnte, meckerte der damalige Oppositionspolitiker, die Kriminalität stagniere auf hohem Niveau.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich entsetzt über die aktuelle Statistik. „Die Zahlen für 2012 lesen sich wie ein wahr gewordener Albtraum“, sagte Michael Purper, Landeschef der GdP. „Der Senat muss jetzt reagieren und das Personal massiv aufstocken. Das ist die einzige Chance, die Kriminalität in den Griff zu bekommen.“ Bodo Pfalzgraf von der Deutschen Polizeigewerkschaft sagte: „Die Kriminalität wird brutaler.“ Denn Anstiege gebe es gerade bei Gewalttaten wie Mord und Totschlag, Raub oder Körperverletzung. Der Anstieg beim Einbruch sei besorgniserregend. Pfalzgraf sagte, dass Kriminalität nur mit hoch motivierten und gut ausgebildeten Polizisten erfolgreich bekämpft werden könne. „Geht es der Polizei gut, geht es den Verbrechern schlecht.“

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