Berlin : Schlechtester Service oft auch am teuersten

KLAUS KURPJUWEIT

Tagesspiegel-Test der Kurierdienste in der Stadt Schwierige Zustellung am SonntagVON KLAUS KURPJUWEIT BERLIN.Knapp hundert Kurierfirmen bieten in Berlin ihre Dienste an.Für viele Behörden und Firmen sind sie inzwischen unverzichtbar, wenn es darum geht, Unterlagen schnell zuzustellen.Der Tagesspiegel hat die Dienste getestet.Ergebnis: Die Qualität ist ebenso unterschiedlich wie der Preis.Und: Den schlechtesten Service boten oft die teuersten Firmen.Getestet wurden - zusammen mit der Fachzeitschrift für die Transport-Branche "trans aktuell" aus Stuttgart - zwei Wochen lang zehn Firmen.Die Marktführer "Die Expressboten", "Messenger" und "Moskitos" wurden dabei gesetzt, die anderen sieben aus dem riesigen Angebot ausgelost.Jeder bekam morgens um 10 Uhr einen Auftrag, je zwei Sendungen folgten um 14 und 18 Uhr, um stets ähnliche Bedingungen zu haben.Empfänger waren ein Unternehmen und eine Privatperson, die nicht zu Hause war.Um die Pfiffigkeit der Boten zu prüfen, war auf den Sendungen an die Privatperson vermerkt, daß sie persönlich zugestellt werden müssen.Viele landeten trotzdem im Briefkasten.Zweimal gaben die Boten die persönlichen Sendungen auch bei Handwerkern ab, die die Wohnung renovierten und auf das Klingeln hin geöffnet hatten.Einmal nahm die Hausmeisterin den Brief entgegen und bemühte sich dann selbst, die Empfängerin zu benachrichtigen.Einen Boten traf die Empfängerin zufällig auf dem Hof, wo er mehr oder weniger hilflos umherirrte.Er fand die Tür zum Hinterhaus nicht.Insgesamt konnten nur zwei Firmen für alle Sendungen eine Ablieferquittung vorweisen: "Die Expressboten" und der "Taxikurier".Zwei Dienste, der "Stadtbote" und "Alpha Trans", fragten immerhin stets telefonisch nach, ob sie den Umschlag auch in den Briefkasten werfen dürften.Bei allen anderen landete mindestens einmal eine Sendung im Briefkasten, ohne daß dies vorher vereinbart war.Das Nachsehen können dabei auch die Kuriere haben.Der Auftraggeber kann nämlich nachweisen, daß er die Sendung übergeben hat, während den Boten in diesen Fällen der Beleg für die Zustellung fehlt.Doch die Probleme hatten schon zuvor begonnen - beim Erteilen des Auftrages am Telefon.Dabei gab es Wartezeiten bis zu sieben Minuten ("TNT Express").Kompliziert wurde es durch den Wunsch nach Barzahlung beim Abholen der Sendung.Die Mitarbeiter wußten manchmal nicht, ob dies überhaupt möglich sei.Normal erfolgte die Bestellung in zwei bis drei Minuten.Die Barzahlung stellte aber auch die Boten vor Probleme.Vielfach hatten sie keinen Quittungsblock dabei oder mußten ihn erst aus dem Auto holen.Eine Barzahlung sei unüblich, begründeten sie auch die Schwierigkeiten, die sie oft mit dem Wechselgeld hatten.Häufig boten sie dann an, gegen Rechnung zuzustellen.Der "Taxikurier" wußte nicht einmal den exakten Preis, sondern schätzte ihn.Einmal wartete er auch auf der Straße auf einen Fahrgast, statt den Brief abzuholen.Die Zentrale hatte ihn falsch informiert.Sie bekam zudem die schlechtesten Werte beim Punkt Freundlichkeit.Als einziges Unternehmen wurde sie einmal als "sehr unfreundlich" eingestuft.Die Zustellungen selbst erfolgten in ähnlichen Zeiten, so weit eine Kontrolle möglich war.Normalerweise waren die Briefe aus der Tagesspiegel-Redaktion an der Potsdamer Straße in Tiergarten nach Mitte und Charlottenburg innerhalb einer Stunde beim Empfänger.Daß sich die Kurierdienste vorwiegend an Behörden und Firmen richten, zeigt die Sonntags-Zustellung.Drei der zehn getesteten Dienste boten diesen Service erst gar nicht an, gingen nicht ans Telefon oder wimmelten ab.("Little Tour", "Mobilis" und "Moskitos")."TNT" verlangte für die kurze Stadtfahrt satte 125 Mark als Zuschlag.Bei den anderen war auch der Sonntag Routine.Beste im Test, bei dem der Service, der Preis, die Freundlichkeit und die Sonntags-Zustellung gewertet wurden, waren "Die Expressboten" - mit dem besten Wert beim Service.Ferner waren die Zustell-Leistungen der Boten hervorragend, die außerdem die besten Werte für die Freundlichkeit erhielten."Moskitos" belegte den zweiten Rang vor allem aufgrund der günstigen Preise.Den dritten Platz schaffte, knapp geschlagen, der "Stadtbote", gefolgt vom dritten Marktführer "Messenger".Ein ausgewählter Test-Kandidat, "Mo-Kurier", fehlt beim Endergebnis.Beim Bestellen wurde kein Preis genannt."Das wird günstig, das ist nur eine kurze Strecke", hieß es lediglich.Als der Bote dann auch noch den Brief nur "beleglos" zustellen wollte, war der Test für diesen Dienst beendet.Eine Überraschung gab es dann noch einmal am Schluß mit einem anderen Unternehmen, das ebenfalls bar bezahlt worden war.Es schickte später noch einmal eine Rechung - mit einem höheren Preis.

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