Berlin : Schleichweg gesperrt – Autos weichen auf Spielstraße aus

So haben sich die Anwohner die Verkehrsberuhigung nicht gedacht: Statt übers Görlitzer Ufer fließt der Verkehr jetzt durch die Cuvrystraße

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Von Christoph Villinger

Die Sperrung des verkehrsberuhigten Görlitzer Ufers zwischen Görlitzer Straße und Heckmannufer für den Autoverkehr stellt sich immer mehr als Schildbürgeraktion heraus. Jahrelang beschwerten sich die Anwohner über den Durchgangsverkehr auf dem Schleichweg zwischen Neukölln und Treptow. Doch seit der Schließung des Görlitzer Ufers durch den Friedrichhain-Kreuzberger Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) weichen nun bis zu 250 Autos stündlich in die Cuvrystraße aus – die aber ebenfalls als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen ist.

Am Dienstagnachmittag protestierten deshalb schon zum zweiten Mal mehrere Dutzend Bewohner des Wrangelkiezes rund um die Cuvrystraße. Gemeinsam mit ihren Kindern spielten sie auf der Straße Fußball und Frisbee und zwangen die Autofahrer so, wirklich Schritt-Tempo zu fahren.

In verkehrsberuhigten Zonen „dürfen Fußgänger die ganze Straße benutzen, Kinder dürfen spielen und die Autofahrer müssen Schritt fahren“, sagt Petra Reetz, Sprecherin von Verkehrssenator Peter Strieder (SPD). „Nur wenn ein Auto kommt, muss man zur Seite gehen“, die Fahrer dürften nicht „unnötig“ behindert werden. Wie viele Straßen in Berlin als „verkehrsberuhigte Zone“ ausgewiesen sind, kann Reetz nicht sagen; das sei Sache der einzelnen Bezirksämter. Es gebe keine Vorschriften, wie so eine Straße baulich zu gestalten ist. „Einige Bezirksämter verengen die Straßen mit Blumenkübeln“, so Reetz. Anderswo zwingen dagegen deutliche Erhöhung des Straßenbelags, so genannte „Moabiter Kissen“, zum Langsamfahren.

Im Wrangelkiez fordern nun die Anwohner ein Gesamtkonzept, um den Durchgangsverkehr aus der Cuvry- und den anderen Wohnstraßen fernzuhalten. Sollte dies nicht passieren, dann müsse das Görlitzer Ufer wieder aufgemacht werden. Auch Baustadtrat Schulz hat inzwischen einen „umfassenden Ansatz für den ganzen Wrangelkiez“ vorbereitet. Danach soll den aus Neukölln vor allem über die Glogauer Straße kommenden Autofahrern verboten werden, nach rechts in die Wiener Straße einzubiegen: Sie müssten in die andere Richtung abbiegen und über die Skalitzer Straße den Wrangelkiez umfahren. In der Gegenrichtung aus Treptow sollen die Autofahrer in der Schlesischen Straße durch extrem kurze Ampelphasen für Linksabbieger vom Wohngebiet ferngehalten werden.

Der Verkehrssenator hat die Baumaßnahme am Görlitzer Ufer mittlerweile gestoppt – allerdings nicht, weil er gegen die Schließung des Schleichweges wäre. Sondern weil ihm die Pläne zu aufwändig sind, so Reetz. Mit den 350 000 Euro aus dem Topf zur Aufwertung des Quartiers „lassen sich noch fünf weitere Maßnahmen finanzieren“. Nun wird das Görlitzer Ufer mit einfachen Pollern geschlossen, sagt Schulz.

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