Berlin : Schleuserbande: Treffen in Neuköllner Lokal

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Die Anklageschrift gegen die fünf Angeklagten, die sich seit Montag vor dem Landgericht wegen Verstoßes gegen die Ausländergesetze verantworten müssen, hat den Umfang eines mittleren Taschenbuches. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Männern und einer Frau vor, in Berlin und anderen Orten in Deutschland zwischen Oktober 1996 und Ende August 1999 gewerbsmäßig Menschen aus dem Kosovo in die Bundesrepublik eingeschleust zu haben. Zuvor mussten sie der aus vier Jugoslawen und einem Deutschen bestehenden Schleuserbande ihre Papiere aushändigen, die sie erst nach vollständiger Bezahlung des vereinbarten Lohnes zurück erhielten.

Darüber hinaus soll einer der Angeklagten jugoslawische Ausweispapiere und Führerscheine durch den Austausch von Lichtbildern gefälscht haben. In arbeitsteiligem Zusammenwirken mit anderen, zum Teil gesondert Verfolgten in der Bundesepublik, sowie Jugoslawien, Ungarn und Tschechien, habe die Bande die Schleusungswillige aus dem Kosovo über Ungarn, Tschechien und Polen nach Deutschland gebracht.

Als Anlaufstelle für die geschleusten Personen soll dabei das von der 37-jährigen Angeklagten Elezi G. S. betriebene Lokal "Café Gollaku" in der Neuköllner Weserstraße gedient haben. Von dort aus sollen die Angeklagten Ruzhdi E. und Elezi G. S. Kontakt zwischen den Schleusern und den vorwiegend aus dem Kosovo stammenden Verwandten der Schleusungswilligen gehalten und von diesen Beträge zwischen 1500 und 5000 Mark in Empfang genommen haben.

Aufgrund der umfangreichen Anklageschrift, bietet der Prozess tiefe Einblicke in den organisierten Menschenschmuggel. So sollen sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Kosovo zahlreiche sogenannte "Reisebüros" mit Namen wie "Barileva Tours" oder "Laura Tours" befinden, an die sich die Schleusungswillige wenden können. Einige der Angeklagten sollen in enger Verbindung zu diesen Agenturen gestanden haben. Der Prozess wird voraussichtlich bis Ende Juni des kommenden Jahres andauern und wird am Donnerstag fortgesetzt.

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