Berlin : Schließ die Badehose ein

Matthias Oloew las am Wannsee aus seinem Buch über das Strandbad

Daniela Martens
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Tagesspiegel-Redakteur Matthias Oloew und Chefredakteur Lorenz Maroldt -

Da hängt er. Sorgfältig aufgehängt. Jeder Träger an einem Haken. Der blaue Badeanzug gehört Lilo Martens. Sie ist die einzige, die an diesem nasskalten Abend vor der Tagesspiegel-Lesung noch in den Wannsee gesprungen ist. Jetzt sitzt sie im vollbesetzten ehemaligen Kino des Strandbades und blickt gespannt auf zwei Strandkörbe, die hier im Trockenen stehen. Im Linken, ein paar Meter neben dem blauen Badeanzug, sitzt Tagesspiegel-Redakteur Matthias Oloew,auf den Knien sein neues Buch: „100 Jahre Strandbad Wannsee, (Nicolai Verlag, 19,90 Euro).

Der Autor erzählt von seiner Recherche in staubigen Akten und Zeitungsberichten. Zum Beispiel in jenem aus den Zwanzigern, in dem sich ein Reporter darüber lustig macht, dass keine Umkleidekabinen aufgestellt würden – „damit der Libertinage ja kein Spielraum bleibe“, liest Oloew. Also zogen sich alle ungeniert am Strand um. „Auch an den Strandkörben, die vielleicht durch einen Bademantel zu einer Art Behausung zu komplettieren wären, steht mit Strenge angeschrieben: Verhängen verboten.“

Oloews Strandkorb ist nicht verhängt, ebenso wenig der von Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, der den Abend moderiert. Er kündigt nun die Chanson-Sängerin Jeannette Urzendowsky an und die singt los: „Schließ die Badehose ein, lass das Buddeln lieber sein, denn am Wannsee schießt der Ami.“ Das Lied aus dem Jahr 1952 ist die ostdeutsche abgewandelte Version von Conny Froboess’ Badehosen-Hit. Das Lied habe einen sehr ernsten Hintergrund, sagt Oloew: Damals waren verirrte Geschosse vom nahen Schießplatz der US-Armee eine Gefahr. Ein Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt, als es gerade im Sand spielte.

Axel Ott war damals noch ein Junge. Jetzt setzt er sich neben Maroldt. Er ist seit 1971 Schwimmmeister im Strandbad. Auf Wunsch Maroldts erzählt er seine Lieblingsgeschichte: Von der Frau, die ihr Gebiss beim Baden verlor. Zum Glück fand es ein Taucher gleich wieder – doch es war das falsche. Also wurde weitergetaucht. Man fand noch vier andere Gebisse, aber die Frau mochte sie nicht mehr probieren.Daniela Martens

Nächste Lesung: Mittwoch, 4. Juli, 19 Uhr im Ephraimpalais in Mitte, im Rahmen der Ausstellung „Berlin geht Baden“. Anmeldung unter der Telefonnummer 24002-159

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