Berlin : Schließungsantrag für Tempelhof

K.KURPJUWEIT R.DURING

Flughafengesellschaft will 2002 den Betrieb einstellen können / Gesellschaften klagenVON K.KURPJUWEIT UND R.DURING BERLIN.Für den Berliner Flugverkehr wird in den nächsten Wochen der Kurs programmiert.Die Schließung des Flughafens Tempelhof soll startklar gemacht werden, und in Schönefeld wollen die Planer das Okay für die Lage der künftigen Start- und Landebahnen geben.Dadurch gewinnen die angrenzenden Gemeinden Planungssicherheit zurück.Programmiert ist aber auch bereits der Widerstand.Gegen die Schließung von Tempelhof wollen Fluggesellschaften klagen. Die Zustimmung zur Schließung will sich die Geschäftsleitung nach Informationen des Tagesspiegels am 26.August vom Aufsichtsrat der Berliner Flughafen-Gesellschaft holen, an der Berlin und der Bund beteiligt sind.Danach soll Anfang September auch das Gremium der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) zustimmen. Ziel dabei ist, den Flughafen zu schließen, sobald die Ausbaupläne für Schönefeld zum Alleinflughafen für die Region Berlin-Brandenburg gerichtlich bestätigt sind.Auch hier rechnen die Planer mit einer Klage von Ausbau-Gegnern.Nach dem Zeitplan wird das Gericht im Jahr 2002 entscheiden.Vier oder fünf Jahre kann aber auch die Antrags-Prozedur zur Schließung Tempelhofs dauern.Um 2002 den Flugverkehr einstellen zu können, will die BBF-Geschäftsleitung den Antrag jetzt auf den Weg bringen. An eine vorzeitige Schließung sei nicht gedacht, heißt es bei der BBF.Man wolle sich an den sogenannten Konsensbeschluß der Gesellschafter halten.Ende Mai 1996 hatten der Bund, Berlin und Brandenburg entschieden, Schönefeld zum Alleinflughafen auszubauen und Tempelhof nach der gerichtlichen Planungssicherheit sowie Tegel mit der Inbetriebnahme der neuen Start- und Landebahn in Schönfeld zu schließen. Während Tegel für die BBF satte Gewinne einfliegt, steckt Tempelhof in den roten Zahlen.Rund 20 Millionen Mark beträgt das jährliche Defizit.Deshalb läßt sich die BBF auch eine Hintertür offen: Wenn der Antrag auf Schließung schnell Erfolg haben sollte, könne man den Betrieb auch schon vor dem Jahr 2002 einstellen, heißt es, ohne daß man es laut sagt. Doch der Widerstand gegen die Aufgabe des Flugbetriebes in Tempelhof ist groß.Die meisten der etwa zehn Gesellschaften, die von hier operieren, würden klagen, sagt Bernhard Liscutin von der belgischen Sabena.Sie gehört neben Eurowings zu den wichtigsten Gesellschaften in Tempelhof.Wird der Flughafen geschlossen, müssen die meisten nach Schönefeld ausweichen, denn in Tegel gibt es kaum noch Platz.In Schönefeld wären die Gesellschaften, argumentiert Liscutin, aber gegenüber den Mitbewerbern in Tegel nicht konkurrenzfähig.Für ihn ist klar: "Ein Umzug nach Schönefeld kommt nur in Frage, wenn die Lufthansa mitzieht".Diese denkt aber nicht daran. Inzwischen hat die Lufthansa ihre gesamten Flüge in Tegel konzentriert.Mit ihrem Abzug aus Tempelhof begann dort der Sinkflug.Die hohen Zuwachsraten der vergangenen Monate (26,9 Prozent mehr Passagiere im Juli 1997 als im Juli 1996) beruhen auf der verhältnismäßig geringen Basiszahl.Allerdings eröffneten die dortigen Gesellschaften inzwischen auch neue Strecken.In Konkurrenz zu Lufthansa fliegt Eurowings nun von Tempelhof nach Frankfurt (Main) und macht dabei nach eigenen Angaben gute Geschäfte.Wahrscheinlich wird das Angebot im Winterflugplan sogar erweitert.Am 1.September nimmt die LTU-Touristik-Tochter RAS den Verkehr nach Mönchengladbach auf, wo der Flughafen als Düsseldorf Express Airport firmiert.Der Geschäftsführer der Flughäfen Düsseldorf und Mönchengladbach, Hans-Joachim Peters, appellierte gestern an die Berliner, weiter für den Zentralflughafen zu kämpfen, der optimal für den Regionalflugverkehr geeignet sei. Für Liscutin ist die Flugrichtung deshalb klar.Tempelhof dürfe aus Wettbewerbsgründen nur zeitgleich mit Tegel geschlossen werden."Sonst klagen wir". Für Schönefeld wollen sich die Planer die Präferenz für die Lage der künftigen Pisten am 5.September vom Aufsichtsrat bestätigen lassen.Solange sie nicht festgelegt sind, herrscht in den umliegenden Gemeinden ein von Brandenburg erlassenes Bauverbot.Eine Empfehlung könnte es auch für das Konsortium geben, das den Ausbau privat finanzieren will.Zwei Kandidaten sind dem Vernehmen nach noch im Rennen.

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