Berlin : Schlitterpartie am späten Abend

Nach gefrierendem Regen gab es viele Unfälle, der Flugbetrieb in Tegel wurde eingestellt / Heute wird es 14 Grad wärmer als am Vortag

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Gegen 20 Uhr fielen an der westlichen Stadtgrenze die ersten Tropfen, und dann schoben sich die Regenwolken Stunde um Stunde vorwärts. Bei anfangs noch minus zwei Grad gefror das unwillkommene Nass auf dem eisigen Boden sofort. „Extrem vereist“, befand Thomas Globig vom MeteofaxWetterdienst, gestern gegen 21 Uhr beim Blick aus dem Fenster in Charlottenburg. Gegen Mitternacht aber werde die Temperatur schon die Nullgrenze erreicht haben und weiter steigen. Für den heutigen Berufsverkehrs sei also nicht mehr mit größeren Problemen zu rechnen.

Doch das wird die Unfallfahrer des gestrigen Abends nicht trösten. Gegen 22.30 Uhr bereits 121 Mal Blechschaden, hieß es beim Lagedienst der Polizei. Gegen 20.45 Uhr musste sogar der Flugverkehr in Tegel vorübergehend eingestellt werden, um 22.15 Uhr wurde zumindest die nördliche Startbahn wieder geöffnet. Auch die BVG kam zu diesem Zeitpunkt teilweise kaum mehr vom Fleck. Im hohen Norden der Stadt wurde der Busverkehr wegen vereister Straßen eingestellt, auch auf der Halbinsel Stralau konnte man am späten Abend nicht mehr bis zur Endhaltestelle fahren. Und an vielen Stellen ging es nur noch langsam oder gar nicht voran. Betroffen war auch die Straßenbahn. An der U-Bahnstation Schwarzkopffstraße verhinderte eine vereiste Oberleitung die Weiterfahrt der Tram, in der Friedrich-Engels-Straße ein auf die Gleise gerutschter Personenwagen. Die Bergung gestaltete sich schwierig. Selbst ein Kranwagen der Feuerwehr konnte nach BVG-Angaben anfangs nicht eingesetzt werden.

Heute soll die Schlitterpartie bei schnell steigenden Temperaturen beendet sein. Am Neujahrstag waren es tagsüber immer noch minus sieben Grad in Berlin, und heute sollen es gleich plus sieben Grad sein – ein Temperaturunterschied von 14 Grad. Ursache ist das Tiefdruckgebiet Alban, das aus Richtung der Azoren und Kanaren kommt und warme Urlaubsluft ins kalte Europa trägt. Vor sich her schiebt Alban Dennis, unser letztes eiskaltes Hoch. Auf Tief Alban folgt am Freitag sogleich Tief Bernold; dieses jedoch wird uns auch nicht sehr lange erwärmen, denn schon am Wochenende macht sich wieder skandinavische Kaltluft breit. Dann kehrt der Frost zurück, und alles wird sein, wie wir es kennen. So gehört es sich im Winter, wird mancher sagen – und er hat nur ein bisschen Recht. In diesem Winter, so berichten uns die Meteorologen, hatten wir hier im Nordosten schon sehr, sehr viel skandinavische Kaltluft. Die kalten Monate waren länger kalt, als sie es normalerweise sind (dafür hatten die südlichen Regionen mit den Wintertouristen Pech: hier war es wärmer als sonst, Schnee fiel nur selten). In der Prognose für den Dezember hatte es noch geheißen, dass er ein halbes Grad wärmer würde als im Schnitt – und drei Grad kälter wurde er dann. Statt üblichen sieben Tagen Dauerfrost zählten die Berliner Wetterstationen zwölf. Gerade weil hier die letzten Wochen kälter als gewohnt waren, fallen die kurzen wärmeren Perioden umso mehr auf. ac/dae

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