Berlin : Schlitterpartie um den Gefrierpunkt

11.12.2012 00:00 Uhrvon , Ronja Spiesser

Nach einer kurzen Tauphase am Montag sinken die Temperaturen wieder – die Unfallgefahr auf Straßen und Gehwegen steigt.

Berlin/Potsdam - Es knirschte nicht mehr bei jedem Schritt, wenn man am Montagmorgen durch die Straßen ging – es platschte. Der am Sonntag in Mengen gefallene Schnee taute Montag teilweise auf, nur um uns in der Nacht zu Dienstag Eisglätte zu bescheren. „Das ist die gefährlichste Glätte, die es gibt“, sagte Dennis Dalter, Mitarbeiter des Wetterdienstes Meteogroup. Denn diese Glätte sähen die Menschen nicht so leicht: Die ganze Nässe gefriere auf Gehwegen und Straßen und werde so zu einer tückischen Eisbahn. Wenn hierauf wieder Schnee falle, bleibe das Eis für Fußgänger unentdeckt.

Am Sonntag fielen in Berlin rund acht Zentimeter Neuschnee, im Norden Brandenburgs sogar 15 Zentimeter.

Schneemannbauen freut die Kinder, aber für die Erwachsenen heißt es bei dem Wetter Schneeschippen. Zumindest für die Hauseigentümer. Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) sind ausschließlich für die Sicherheit auf den Straßen zuständig – die Gehwege müssen die Anlieger selbst freiräumen. Vor der Tür muss der Gehweg mindestens einen Meter breit von Schnee und Eis befreit sein und mit Streugut bestreut werden. Das hat nicht überall geklappt: Am verkaufsoffenen Sonntag waren die Bürgersteige beispielsweise in Steglitz spiegelglatt, vom Rathaus bis zum U-Bahnhof Schlossstraße schlidderten Passanten mit Einkaufstüten bepackt von Geschäft zu Geschäft.

Auf den Straßen war die BSR mit 480 Räumfahrzeugen und 2100 Personalkräften von 6 Uhr am Sonntag bis Montagmorgen im Einsatz. „Wir haben gezeigt, dass wir die Sache im Griff haben“, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller. Aber er weist darauf hin, dass die Wege zum Haus – auch damit die Müllentsorgung funktioniere – schneefrei sein müssen. Sonst blieben Mülltonnen ungeleert.

Die Berliner Feuerwehr hatte in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag weniger Einsätze zu fahren als normalerweise. Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke erklärt sich das damit, dass mehr Menschen bei dem Wetter zu Hause blieben: „Viele fahren auch vorsichtiger Auto als üblich.“ Die Polizei in Berlin meldete von Mitternacht bis Montagmorgen um neun Uhr 75 Unfälle stadtweit. Dies sei aber keine erhöhte Zahl, sondern liege im Normalbereich, sagte Polizeisprecher Michael Gasse. In Brandenburg waren 53 von 153 Verkehrsunfällen auf die winterliche Witterung zurückzuführen.

Nach dem leichten Tauwetter am Montag sanken die Temperaturen aber schon zum Feierabend hin wieder unter null. In Brandenburg werden in der Nacht zu Dienstag bis zu minus zehn, in Berlin bis zu minus sieben Grad Celsius erwartet – demnach wird es wieder glatt auf Straßen und Gehwegen. „Wir erwarten, dass die Unfallzahlen ab Dienstag ansteigen“, sagte die Sprecherin des Unfallkrankenhauses in Marzahn, Angela Kijewski. Am Montag wurden dort sechs Verletzte nach Glatteisstürzen behandelt.

Bei der S-Bahn gab es am Montag Ausfälle und Verspätungen – aber nicht wegen des Wetters, wie ein Sprecher sagte. Bei einem Zug gab’s im Bahnhof Westhafen Rauch im Motorbereich, doch die Gefahr war gebannt, ehe die Feuerwehr eintraf. Probleme gab es ferner durch Signalstörungen; eine kaputte Weiche in Grunewald verursachte Behinderungen, die bis in die Abendstunden anhielten. Wegen eines abgestellten Koffers am Bahnhof Adlershof rückten Sprengstoffexperten der Polizei an, der Verkehr wurde unterbrochen. Der Koffer war leer. Die BVG meldete Verspätungen im Busverkehr, bedingt meist durch Baustellen.

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