Berlin : Schlösserstiftung bleibt hart

Strenge Parkordnung wird beibehalten. 2007 kamen wieder mehr Besucher in Gärten und Paläste

Claus-Dieter Steyer

Potsdam/Berlin - Die Schlösserstiftung lässt sich nicht erweichen. An der strengen Parkordnung für Sanssouci und die anderen Schlossgärten wird nichts geändert. Daran kann auch die öffentliche Kritik der vergangenen Tage an den Einschränkungen für Radfahrer, Hundehalter und Spaziergänger abseits der Wege nichts ändern. „Wir wollen niemanden verprellen“, sagte gestern Hartmut Dorgerloh, der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. „Aber wir müssen bestimmte Regelungen für alle Besuchergruppen durchsetzen.“ Ausdrücklich sprach er eine Einladung an den Modedesigner Wolfgang Joop aus, der die öffentliche Debatte vor gut zwei Wochen ausgelöst hatte. „Herr Joop ist uns weiterhin sehr willkommen, aber nur mit angeleinten Hunden und als Radfahrer auf den ausgewiesenen Wegen“, sagte Dorgerloh.

Joop war bei einer Fahrt auf dem Fahrrad durch den Marly-Garten des Parks Sanssouci von einem Parkwächter gestoppt worden. Er solle seine Hunde anleinen und sein Rad schieben, forderte der Parkwächter. Die Auseinandersetzung eskalierte mit Beschimpfungen und Rempeleien, so dass sowohl Wolfgang Joop als auch der Wachmann Strafanzeige stellten.

„Der Park in Sanssouci, der Neue Garten und der Schlosspark Babelsberg sind genauso wertvoll wie die Schlösser“, sagte Dorgerloh. „Sie gehören zum Weltkulturerbe und sollen ein sinnliches Vergnügen in entspannter Atmosphäre garantieren.“ Bis Ostern würden die für Radfahrer freigegebenen Strecken ausgeschildert, so dass eine „sichere Durchquerung“ der Parks möglich sei. In den anderen Parkteilen bleibe das Rad tabu. Auch für den Schlosspark Charlottenburg hofft der Generaldirektor auf eine Lösung für die Radler. Die Gespräche mit dem Bezirksamt verliefen vielversprechend.

Nicht nur mit Bußgeldern will die Schlösserstiftung auf den Unterschied zwischen den königlichen Anlagen und den weniger anspruchsvollen Bürgerparks deutlich machen. In der Saison soll es unter dem Motto „preußisch grün“ jeden Monat einen Gartentag geben, an dem Führungen über Pflanzungen und Geschichte des Parks informieren.

Andere Veranstaltungen beschäftigen sich mit der Entdeckung der Langsamkeit durch Musik und Tanz und mit dem Gartenkünstler Fürst Pückler. Erstmals stehen Park-Gärtner den Besuchern an mehreren Tagen Rede und Antwort. Mit den Veranstaltungen will die Schlösserstiftung wieder mehr Besucher anlocken. Zwar kamen 2007 mit 2,1 Millionen Gästen rund 1,5 Prozent mehr in die Schlösser als 2006. Aber 2005 lag die Besucherzahl immerhin bei 2,24 Millionen. Favorit war im Vorjahr wieder das Schloss Sanssouci mit 428 000 Gästen. Hier haben sich die Audio-Guides in sieben Sprachen ebenso bewährt wie im Schloss Charlottenburg, das dennoch einen Besucherrückgang um 13 Prozent meldete. Das lag wohl vor allem an der Sanierung des Neuen Pavillons.

In diesem Jahr wird mit der groß angelegten Rettung der Schlösser vor dem Verfall begonnen. In den nächsten zehn Jahren stellen der Bund, Berlin und Brandenburg, die Stiftung und private Spender 357 Millionen Euro zur Verfügung. Jetzt schon arbeiten hinter der eindrucksvollen Fassade des Neuen Palais Denkmalpfleger und Restauratoren daran, bisher unzugängliche Räume für die Öffentlichkeit zu öffnen. Zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen 2012 soll dessen prachtvollstes Schloss in alter Würde erstrahlen. Bei den märkischen Schlössern konzentrieren sich die Arbeiten auf Paretz bei Potsdam, das nach den Restaurierungsarbeiten im Herbst aus der Obhut des Landes Brandenburg in den Bestand der Schlösserstiftung wechseln wird.

Infos zu allen Angeboten unter Telefon 0331/96 94 202 und unter www.spsg.de

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