Schloss Bellevue : Staatsbankett mit Emir

Am Donnerstag luden Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau zum Staatsbankett ins Schloss Bellevue - und präsentierten sich als lockere Gastgeber. Der Emir von Katar fühlte sich so wohl, dass er gleich die Gegeneinladung aussprach.

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Den Emir von Katar, Hamad bin Khalifa Al Thani, und seine Ehefrau Mouza Bint Nasser Al Missned mit Bundespräsident Christian Wulff (r) und Ehefrau Bettina (l) am Mittwoch vor dem Schloss Bellevue. Foto: dpa
Den Emir von Katar, Hamad bin Khalifa Al Thani, und seine Ehefrau Mouza Bint Nasser Al Missned mit Bundespräsident Christian Wulff...Foto: dpa

Tausendundeine Nacht im Schloss Bellevue muss man sich so vorstellen: Der Emir von Katar, Hamad bin Kalifa Al Thani, und sein Außenhandelsminister tragen lange, weiße Gewänder. Die Scheicha hat um ihr elegantes flaschengrünes Abendkleid einen Neongürtel geschlungen, trägt auf dem Hinterkopf einen modisch gerafften Haubenhut, und die charmante Tochter mit dem offenen Haar über Rollkragen und langem Glitzerrock erweist sich im Laufe des Abends als wichtige politische Beraterin ihres Vaters und Leiterin seines persönlichen Büros.

Beim Staatsbankett, das Bundespräsident Christian Wulff und Frau Bettina für den Emir und Scheicha Mozah bint Nasser Al Missned geben, purzeln viele Klischees, die das Leben in der modernen Welt so kompliziert machen, durcheinander. Wie in einem märchenhaften Kontrastprogramm zu den Debatten des Alltags erleben die Gäste die wohltuende Wertschätzung der Kulturen.

Vor dem Schloss stehen uniformierte Fackelträger, innen brennen Kerzen auf silbernen Lüstern, Blumenkränze in Dunkelrot und Weiß geben eine Anmutung der traditionellen Farben des Landes, und das grüne Blätterbett symbolisiert die arabische Sehnsucht nach der Natur. „In der Wüste findet nur der Kluge den Weg“, zitiert der Bundespräsident ein Sprichwort aus der Heimat des Emirs. Durch das in Zeiten des Wechsels fast rundum erneuerte Bundespräsidialamt ist offensichtlich ein Motivationsruck gegangen, innerhalb kürzester Zeit wurde dieser Besuch perfekt vorbereitet. Beim Defilee steht die Scheicha neben Bettina Wulff, die in einer kurzärmeligen lila Robe mit herzförmigem Ausschnitt gekommen ist, zwei hoch gewachsene Frauen, die sich offenbar gut verstehen und ihrem Erscheinungsbild nach Orient und Okzident auf einer großen Bühne symbolisieren könnten.

Scheicha ist die dem Emir liebste seiner drei Frauen

Mit dem Goethe-Zitat, nach dem diese beiden Welten nicht mehr zu trennen sind, beendet Bundespräsident Christian Wulff seine Rede. Kurz bevor er unerwartet in das höchste Amt des Staates geriet, war er Anfang des Jahres zweimal in Katar. Er lobt den Reformkurs des Emirs, die erheblichen Investitionen in Bildung und Infrastruktur, und signalisiert Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit im Energiebereich.

Die Gäste dieses Abends, darunter viele Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen, sind überrascht und beeindruckt, auch von den Frauen, die sich ausdrücklich auch für politische Gespräche interessieren. Vor allem der Scheicha, der dem Emir liebsten seiner drei Frauen, ist es zu verdanken, dass Katar über eine moderne Universität verfügt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt wollweißes Jackett zum langen sandfarbenen Rock und führt dem Außenhandelsminister immer neue Gesprächspartner zu. Auch Alt-Kanzler Gerhard Schröder und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sitzen am Präsidententisch.

Es gibt Brandenburger Kürbis und fränkischen Milchkalbsrücken, duftenden Mangosaft und exquisite deutsche Weine, bald klingt Klavierspiel, dann lautes Gelächter durch den Saal. Porzellan, Bilder und Teppiche haben sich nicht verändert in den letzten Monaten, aber die Stimmung ist anders, gelöster. Ein vergleichsweise junges Präsidentenpaar präsentiert einer aufstrebenden Wirtschaftsgröße mit Lust ein zukunftsfrohes, innovatives Deutschland.

Der Emir lobt Berlin als „Stadt der großen künstlerischen und wissenschaftlichen Fortschritte“, lädt den Bundespräsidenten und seine Frau ein, die bilateralen Gespräche in seiner Heimat fortzusetzen: „Viele Seiten unserer Kultur sind Deutschland noch nicht bekannt und erfordern mehr Aufmerksamkeit und Annäherung.“

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