Berlin : Schloss-Freunde verteidigen die historische Fassade

Stolpe könnte sich den Wiederaufbau auch ohne barocke Hülle vorstellen Landesregierung: Gespräche mit potenziellen Investoren kommen gut voran

Lars von Törne

Klaus-Jürgen Velke findet es „sehr irritierend“, was Bundesbauminister Stolpe da zum geplanten Wiederaufbau des Stadtschlosses gesagt hat. „Die historische Fassade ist ein Bestandteil des Bundestagsbeschlusses, nicht nur eine Option unter vielen“, sagt Velke mit Empörung in der Stimme. Der Verwaltungsbeamte ist in seiner Freizeit Vorsitzender des Vereins Gesellschaft Berliner Schloss und hat sich dem historischen Wiederaufbau des Gebäudes verschrieben.

Manfred Stolpe (SPD) hatte im Tagesspiegel über den bevorstehenden Abriss des Palastes der Republik gesprochen und gesagt, der Neubau auf dem Schlossplatz solle die Ausmaße des ehemaligen Stadtschlosses haben – und „wenn dann noch genug Geld da ist, kann man die historische Fassade wiederherstellen“. Das ärgert Klaus-Jürgen Velke. Er pocht darauf, dass der Bundestag vor drei Jahren beschlossen hat, das Äußere nach historischem Vorbild rekonstruieren zu lassen.

Auch für andere Fassaden-Fans rückt der Bauminister mehr von der bislang diskutierten Planung ab, als ihnen lieb ist. „Die historische Fassade ist unabdingbar für den Wiederaufbau“, sagt Volker Liepelt, stellvertretender CDU-Chef in Mitte. Ähnlich sieht das auch Klaus-Peter von Lüdeke von der Berliner FDP.

Für Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), steht die bisherige Planung trotz Stolpes Einschränkung nicht zur Disposition: „Die historische Fassade ist vorgegeben.“

Abgesehen von der Irritation über die Fassadenfrage, reagiert die Berliner Politik erfreut über Stolpes zuversichtliche Einschätzung, es gebe ein großes Interesse der Privatwirtschaft, den Schlossaufbau in Partnerschaft mit dem Staat, also in Form einer Privat-Public-Partnership, zu errichten. In der Stadtentwicklungsverwaltung ist man „sehr erfreut“, dass der Minister demnächst seine Pläne zum Wiederaufbau vorstellen wolle. „Die Kontakte mit potenziellen Investoren schreiten gut voran“, sagt die Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde, deren Fachleute mit Stolpes Ministerium in engem Kontakt stehen.

Wilhelm von Boddien, prominenter Kopf der Initiative für den Wiederaufbau der Barockfassade aus Spendengeldern, begrüßt Stolpes Einsatz für das Stadtschloss. Als längst fälligen „Schritt nach vorne“ sieht er die Ankündigung des Ministers, in den nächsten Wochen dem Bundeskanzler, dem Bundestag und der Landesregierung seine Pläne vorzulegen. Dann könnten die offizielle Ausschreibung des Projekts sowie ein Bundestagsbeschluss folgen und damit die Details des Wiederaufbaus festgelegt werden.

Was das von Stolpe im Konjunktiv angesprochene Geld für die historische Fassade angeht, hat Wilhelm von Boddien keine Zweifel, dass seine Initiative, der Förderverein Berliner Schloss, die Finanzmittel aufbringen kann, wenn der Bau als Ganzes erstmal angeschoben wurde: „Sobald das Projekt konkret wird, werden sich die Geldbörsen der Spender öffnen“, ist der Schloss-Vorkämpfer überzeugt. „Dutzende von Spendern“ hätten zugesagt, jeweils sechsstellige Beträge zu geben, sobald der Bau ausgeschrieben und politisch abgesegnet sei. Auch hätten Umfragen gezeigt, dass jeder dritte Berliner bereit sei, Geld für eine historische Schlossfassade zu geben.

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